Ist die Great Recession demnächst amerikanische Geschichte? Vieles deutet darauf hin. Die New Yorker Börse feierte den besten Sommer seit sieben Jahren – nur ein halber Prozentpunkt fehlte, sonst hätte der Dow-Jones-Index sogar seinen besten Juli seit 1939 erlebt. Einige Banken, vor Kurzem noch Empfänger von Staatshilfe, melden spektakuläre Gewinne. Die Immobilienpreise zeigen Zeichen einer Stabilisierung.

Die Wirtschaft schrumpft zwar weiterhin, aber sie befindet sich nicht mehr im freien Fall. Selbst in den hart getroffenen Regionen des Mittleren Westens kommt der ökonomische Puls nach über einem Jahr wieder auf Touren. Vor allem aber kehrt der Optimismus, Amerikas Markenzeichen, zurück. Der Notenbankchef Ben Bernanke sprach von "grünen Keimlingen", die er erspäht habe, was prompt zum geflügelten Wort wurde. Den Anfang vom Ende der Krise will Präsident Barack Obama, der selbst in einem Umfrage- und Reformtief steckt, auch persönlich ausgemacht haben. Wenn sich die US-Konjunktur wirklich erholte und die Nachfrage dort wieder stark würde – das wären auch gute Nachrichten für das exportabhängige Deutschland.

Doch so weit ist es noch nicht!

An einer Front gibt es keine Fortschritte. Die Zahl der Arbeitslosen steigt und steigt. Am Freitag wird der jüngste Arbeitsmarktbericht bekannt werden, dann werden in dieser großen Rezession offiziell sieben Millionen Stellen vernichtet worden sein. Und es geht ja nicht nur um die verlorenen Stellen – im Herbst drängen die Schul- und Universitätsabsolventen auf den Arbeitsmarkt. Anfang kommenden Jahres – wenn die Rezession von den Volkswirten bereits abgehakt sein wird, weil die Wirtschaft statistisch gesehen wieder wächst – wird die Arbeitslosenquote aller Voraussicht nach bei zehn Prozent liegen. Für die amerikanische Gesellschaft mit ihren schwachen Sozialnetzen bedeutet das eine Zerreißprobe.

Es ist normal, dass der Stellenmarkt dem Wirtschaftswachstum hinterherhinkt. Schließlich wollen Unternehmen sichergehen, dass ihre Geschäfte wieder laufen, bevor sie Personal verpflichten. Doch diese Rezession ist anders. Viele alte Jobs kommen gar nicht wieder, egal wie schnell die Erholung naht. Die Autoindustrie, die Finanzbranche, der Einzelhandel werden grundlegend anders aussehen. Gemeinsam wird ihnen sein, dass sie schrumpfen. Für alle Branchen gilt, dass die Investoren nach dem Debakel erst einmal wieder nachhaltige Gewinne sehen wollen. Also werden Manager Kosten drücken – womöglich über Jahre. Eine Einstellungswelle ist da nicht zu erwarten. Doch ohne die dürfte ein Heer von Dauerarbeitslosen und Geringverdienern entstehen.

Über Jahrzehnte war der private Konsum extrem wichtig für die Konjunktur, und für ihn gibt es bisher trotz aller Versprechen einer grünen Erneuerung bislang keinen Ersatz. Ohne ein Jobwunder werden die Konjunkturkeimlinge bald vom Arbeitsmarkt-Bumerang geköpft werden.