Fuhr man mit Karlheinz Schreiber in den neunziger Jahren durch sein riesiges Jagdrevier im Landkreis Landsberg, zeigte er sich von einer unbekannten Seite. Schreiber war bis zu seinem Ausschluss überzeugtes CSU-Mitglied, aber lange vor Horst Seehofer und Markus Söder ließ der Waidmann erkennen, dass sich seine Partei grünen Themen öffnen müsse. Nie vergaß er, Grüße an »die Frau Gemahlin« auszurichten, auf den Tisch kam nur Gesundes, und man tat gut daran, beim Abschied aufzupassen, dass zwischen den zusammengerafften Papieren nicht ein paar schwere kanadische Silbermünzen als »Souvenir« hängen blieben.

Skrupellos, geldgierig, erzreaktionär – solche Assoziationen weckte Schreiber dagegen bei den wenigen Interviews, die er in den vergangenen Jahren gegeben hat. Die Vorwürfe, die von der Augsburger Staatsanwaltschaft gegen ihn in akribischer Kleinarbeit zusammengetragen wurden, rundeten das Bild ab. Steuerhinterziehung und Bestechung im großen Stil, Waffengeschäfte, Vermakeln von Hubschraubern und Flugzeugen der Firma Airbus, an deren Spitze als Verwaltungsratschef Franz Josef Strauß und unten am Provisionsgeldhahn Strauß-Sohn Max und Schreiber selbst saßen. Dazu Schwarzgeldkonten, Bestechung von Amtsträgern und Ölgeschäfte zur Parteienfinanzierung für die CSU. Und, wenn es Probleme mit Gesprächspartnern gab, wurde auch mal kurz eine Pistole auf den Tisch gelegt.

In seine Arbeitertrupps schleuste er Späher des BND ein

Wie gefährlich kann solch ein Mann der Politik von heute noch werden?

Karlheinz Schreiber, Chef einer Firma für Fahrbahnmarkierungen in Kaufering, bei deren internationalen Aufträgen er schon mal Späher des BND in seine Arbeitertrupps einschleuste, war ein kleiner König im bayerischen Oberland. Aber das war ihm nicht genug. Er konnte es auch nicht bleiben, denn in den achtziger Jahren hatte er zusammen mit Max Strauß, dem Sohn des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, bei einem missratenen Grundstücksgeschäft schon Millionen Mark bayerischer Prominenter in den kanadischen Sand gesetzt, darunter auch solche des Strauß-Clans.

Und bei Verlusten hörte die Freundschaft von FJS selbst mit den engsten Amigos ganz schnell auf.

Strauß senior, Vater der Airbus-Produktion und Freund der Saudis, dürfte seinem Freund und Schuldner die Wege geebnet haben, die Miesen wieder hereinzuholen. So kamen die Fuchs-Panzer ins Rollen, geschmiert von der Firma Thyssen, für die Schreiber Repräsentant in Kanada wurde. Von den 480 Millionen Mark, die den Arabern in Rechnung gestellt wurden, waren gut 200 Millionen als Schmiergeld kassiert worden. Und Airbus zahlte für die von Kanada und Thailand gekauften Flugzeuge 25 Millionen Euro Provision, die in Schweizer Schwarzgeldkonten versickerten. Aber all diese Geschichten sind längst ausgebreitet und können Schreiber kaum für neue Attacken dienen.

Die Strafe wird umso niedriger, je geräuschloser Schreiber auftritt

Er ist ja, das wird gern vergessen, nicht wegen seiner Geschäfte angeklagt (als Bestechung firmiert nur das Millionen-Honorar für den abgeurteilten Ex-Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Holger Pfahls, CSU). Bestechung im Ausland war zum Zeitpunkt der Geschäfte legal, von deutschen Finanzämtern sogar zur Ankurbelung von Geschäften anerkannt, »nützliche Aufwendungen« nannte man das.