Es ist eine Standardszene im Fernsehkrimi: Die Beamten stehen vor einer verschlossenen Wohnungstür, der Kommissar bittet seine Assistentin, kurz zur Seite zu gehen, zieht die Dienstpistole, schießt aufs Schloss – und die Tür lässt sich mit einem leichten Tritt öffnen, wenn sie nicht sogar von selbst aufspringt. Im Film schießt natürlich niemand scharf, der Effekt wird durch kleine Sprengladungen erzielt, die an der Tür angebracht sind. Aber funktioniert es in der Wirklichkeit?

Die Antwort lautet klar: Nein. Um eine verschlossene Tür aufzubekommen, müsste man den Türriegel (bei abgeschlossenen Türen sogar zwei) treffen und aus seiner Verankerung schlagen – eine solche Durchschlagskraft hat die 9-Millimeter-Dienstpistole eines deutschen Polizisten nicht. In Fernsehsendungen (Kopfball, Mythbusters) sind entsprechende Schießversuche gemacht worden. Selbst mit Waffen größeren Kalibers mussten geübte Schützen etwa 20-mal auf die Tür ballern, bevor sie aufging – danach war der Holzrahmen rund ums Schloss regelrecht perforiert.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Die Sache ist auch nicht ungefährlich. Abprallende Projektile können unkontrolliert durch die Luft fliegen und die Beteiligten verletzen. Deshalb gehen Spezialeinsatzkommandos besonders vorsichtig ans Werk, wenn sie tatsächlich einmal Türen aufschießen: Sie setzten das Gewehr auf das Schloss auf und benutzen eine Spezialmunition, deren Projektile sich beim Auftreffen auf die Tür in feinen Staub auflösen – so wird die gesamte Schussenergie übertragen, ohne dass massive Splitter durch die Luft fliegen.

Dass sich eine Tür locker aufschießen lässt, ist also eine typische Fernseh-Legende – ebenso übrigens wie das Öffnen durch beherztes Sich-dagegen-Werfen. Das führt in der Realität meist auch nur zu blauen Flecken beim Kommissar. Christoph Drösser

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio