Früher war es so simpel: Die Universitäten forschten und bildeten für die Wissenschaft aus, die Domäne der Fachhochschulen war die praxisbezogene Lehre. In den Hochschulgesetzen und Rektorenkonferenzen gibt es diese Zweiteilung noch, doch unter der Oberfläche erodiert die alte Ordnung. Sie ist überholt.

Universitäten und Fachhochschulen vergeben laut Gesetz mit Bachelor und Master die gleichen Abschlüsse, überwiegend in den gleichen Fächern. Im Zeichen der Bologna-Reform wird Praxisbezug auch von universitären Studiengängen erwartet. Forschungsgelder des Bundes sind für Fachhochschulen zugänglich.

Immer lauter werden gemeinsame Graduiertenkollegs gefordert, und das Land Sachsen plant die Vergabe des traditionell den Universitäten vorbehaltenen Promotionsrechts an die Fachhochschulen. Die traditionsbewusste European University Association hat ihre Satzung geändert und die ersten (deutschen) Fachhochschulen aufgenommen. Flandern bereitet die Integration seiner Fachhochschulen in die Universitäten vor, in Lüneburg wurde dies schon vor einigen Jahren Wirklichkeit.

Die forschende Volluniversität verschwindet

Zugleich unterscheiden sich Hochschulen des gleichen Typs zunehmend in Größe, Fächerspektrum und Forschungsschwerpunkten, zudem in Internationalität, Wirtschaftsnähe und regionaler Einbindung. Profilbildung und Kooperation sind notwendige und sinnvolle Reaktionen auf steigenden finanziellen Druck, steigende Kosten und wachsende Spezialisierung in der Forschung sowie neue Anforderungen an Lehre und Weiterbildung.

Das Ideal der forschenden Volluniversität bestimmt zwar vielfach noch die internationalen Rankings, doch in der Praxis entstehen mit der Spezialisierung neue Entwicklungschancen. Forschungskooperationen, Doktorandenausbildung und die Koordinierung des Lehrangebots machen in Deutschland längst nicht mehr vor institutionellen Grenzen halt. Die Europäische Kommission unterstützt grenzüberschreitende Kooperationen bis hin zur Entstehung neuer "Regional Universities".

Veränderungen in der Selbstorganisation bilden diesen Prozess ab: Die technischen Universitäten betreiben seit Jahren als TU9 gemeinsam Lobbyarbeit, die großen Forschungsuniversitäten in Organisationen wie LERU und Coimbra, die europäischen Hauptstadtuniversitäten als UNICA. Im Gefolge der Exzellenzinitiative haben in Deutschland die forschungsstarken Fachhochschulen sowie die "mittleren" Universitäten eigene Interessenvertretungen ins Leben gerufen. Die Rektorenkonferenzen werden zu Dachorganisationen, unter denen sich die Interessengruppen versammeln.