ZEIT: Kostenlose Proben gab es doch immer schon. Was ist daran neu?

Anderson: Es gibt viele verschiedene Arten von dem, was ich in Free beschreibe. Mir geht es vor allem um digitale Produkte. Die haben die einmalige Eigenschaft, dass ihre Grenzkosten nahe null sind.

ZEIT: Also jene Kosten, die entstehen, um je eine weitere Einheit eines Produkts herzustellen und zu vertreiben, sobald es einmal entwickelt ist.

Anderson: Ja, bei digitalen Gütern diktieren die Kosten den Preis nicht mehr wie früher. Daraus haben sich drei Arten von free entwickelt. Neben Freemium entsteht eine zweite Art , weil in der digitalen Welt viele Autoren nicht aus kommerziellen Gründen schreiben: Blogs, Twitter-Texte, Facebook-Inhalte und so weiter. Sie tun es für die Reputation, für Aufmerksamkeit. Es ist Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Die dritte Art ist die traditionelle Werbefinanzierung. Kunden bekommen ein Produkt umsonst, weil andere, nämlich die Werbetreibenden, es subventionieren. Das war die erste Welle von Geschäftsmodellen im Internet, aber es gibt eindeutig nicht genug Werbegeld für alle.

ZEIT: Eine kleine Zahl von Medienschaffenden, wie etwa der ehemalige US-Journalist und erfolgreiche TV-Produzenten David Simon (The Wire), fordert: Alle Artikel müssten kostenpflichtig werden. Nur so sei Qualitätsjournalismus zu retten. Wie realistisch ist das?

Anderson: Wer das macht, verabschiedet sich aus der öffentlichen Wahrnehmung. Es geht darum, sich daran zu orientieren, was ist. Ich erfinde in Free nichts, ich plädiere nicht dafür, ich beschreibe nur, welche Geschäftsmodelle entstanden sind.

ZEIT: Sie sind nicht nur Buchautor, sondern auch Chefredakteur der Zeitschrift Wired. Es ist ein Magazin für Techniktrends und Lifestyle. Wie halten Sie es im Netz?

Anderson: Alle unsere Artikel gibt es umsonst.