Populär war der Name nie. Stets kommt er mit dem Zusatz Karstadt und Quelle daher, damit klar wird, welche Unternehmen gemeint sind. Deshalb dürfte den Kunstbegriff Arcandor auch niemand vermissen, wenn der Konzern demnächst in seine Einzelteile zerlegt ist. Zu ihnen zählen nicht nur Karstadt und die Primondo-Gruppe mit dem Flaggschiff Quelle, sondern auch Thomas Cook. Erfolglos hat Karl-Gerhard Eick, erst seit wenigen Monaten Chef von Arcandor, dafür gekämpft, den Konzern als Ganzes zu erhalten. Ende vergangener Woche gab er seinen Plan auf.

Alle drei Unternehmen stehen nun einzeln zum Verkauf. Thomas Cook ist zwar nicht von der Insolvenz betroffen, dennoch werden sich Banken an dem Unternehmen schadlos halten. Das können all jene Geldinstitute, die über Aktien des Reiseveranstalters verfügen, weil sie sich die als Pfand für die gewährten Kredite gesichert haben. Mit etwas Glück kommt beim Verkauf so viel Kapital herein, dass nicht nur alle Schulden in Höhe von rund 900 Millionen Euro gedeckt sein werden, sondern Arcandor selbst noch vom Verkaufserlös profitiert.

Für die Warenhäuser und den Versandhandel sucht Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach Käufern. Die Chancen stehen gut, auch wenn Görg am vergangenen Wochenende noch darüber klagte, dass er keine nennenswerten Vermögensgegenstände bei Arcandor gefunden habe. Selbst für Primondo inklusive Quelle gibt es schon Interessenten. Das ist überraschend, weil das Versandhaus gegen etliche Vorurteile kämpft.

Plötzlich war der Geldfluss unterbrochen, nichts ging mehr

Zunächst aber redeten alle nur über Karstadt, nachdem Eick für den Mutterkonzern Anfang Juni Insolvenz angemeldet hatte. Der Grund für die öffentliche Aufmerksamkeit: Eicks Kollege Eckhard Cordes, Chef des Metro-Konzerns und gut vernetzt in der CDU, hatte sich geschickt in die Debatte eingemischt. Noch während die – am Ende gescheiterten – Verhandlungen über eine Staatsbürgschaft liefen, meldete er das Interesse an, 60 Karstadt-Häuser zu übernehmen. Hilfe vom Staat schien da überflüssig. Plötzlich war die alte Idee von der Warenhaus AG neu belebt. Cordes möchte seine eigenen Häuser namens Galeria Kaufhof mit den profitablen Standorten des Konkurrenten kombinieren, um das neu sortierte Warenhauspaket später mit Gewinn zu verkaufen.

Ob und wie viel Geld er selbst investieren will, darüber hielt er sich stets bedeckt. Neuerdings klingen auch seine Übernahmepläne etwas anders: Erst einmal müsse man einen Blick in die Bücher werfen, um entscheiden zu können, wie viele Häuser man tatsächlich wolle, sagt ein Sprecher des Konzerns. Das aber setzt Verhandlungen voraus. Bis zum Beginn dieser Woche gab es noch keine Gespräche.

Erstaunlich schnell gehen die Dinge bei der Primondo-Gruppe voran, zu der neben Quelle noch eine Reihe von Spezialversendern wie etwa hessnatur oder der Fernsehshopping-Sender HSE24 gehören. Insgesamt sind bei Primondo 10.000 Arbeitsplätze von der Insolvenz betroffen, 3700 fallen ihr zum Opfer. Die Mitarbeiter von Quelle trifft es hart. Dort werden unter anderem alle Technik-Center, eine Art Filialnetz des Versenders, geschlossen. Es ist nicht das erste Mal, dass es zu einem solch drastischen Einschnitt kommt. Zwischen 2006 und 2008 wurden bereits 4500 Stellen gestrichen.