Lächeln, Händeschütteln und zum Schluss vielleicht ein kleines Victory-Zeichen: So in etwa hatte sich die Kanzlerin ihren Besuch bei Opel auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vorgestellt. Schöne Bilder aus Frankfurt hätte das gegeben, nur wenige Tage vor der Bundestagswahl, und sie hätten Angela Merkel als Retterin gezeigt. Als erfolgreiche Krisenmanagerin. Als Frau, die der Wirtschaft zeigt, wo es langgeht. Die Termine waren längst ausgemacht.

Doch daraus wird wohl nichts werden.

Am vergangenen Dienstag landete John Smith, der Vizechef des amerikanischen Autobauers General Motors (GM), in Berlin. Sein Weg führte ihn direkt ins Wirtschaftsministerium, wo er auf die Unterhändler von Bundesregierung und Bundesländern traf. Smith blieb zwei Stunden. Er hörte sich an, wie die Deutschen noch einmal dafür warben, Opel doch endlich an den Autozulieferer Magna zu verkaufen. Er blieb vage, als es um die konkreten Pläne von GM ging. Am Ende des Treffens war nur eines klar: Die Amerikaner halten die Deutschen weiter hin.

Allein das ist eine Niederlage für Angela Merkel, die in zwei dramatischen Krisennächten im Kanzleramt die Rettung von Opel inszeniert hatte. Genau betrachtet, ist es sogar mehr als das: Ein paar amerikanische Automanager stürzen die Kanzlerin und die Union in die größte Krise des laufenden Wahlkampfs.

Dabei schien Merkels Plan todsicher zu sein: Im Frühjahr drohte Opel die Insolvenz, weil auch der Muttergesellschaft GM das Geld ausging. Deshalb wurde die Adam Opel GmbH mehrheitlich von einem staatlichen Fonds treuhänderisch übernommen. Zudem wurde Opel per Staatskredit mit 1,5 Milliarden Euro versorgt; das sollte reichen, bis sich GM entscheiden würde, wer Opel übernimmt. Ohne den US-Konzern geht es nicht, er ist faktisch noch Eigentümer, und zudem sind beide Unternehmen so miteinander verwoben, dass eine Zukunft nur im engen Nebeneinander möglich scheint. Alle gaben sich willig.

Merkel werde sich vor der Wahl feiern lassen können, glaubte man in der CDU.

Stattdessen muss die Kanzlerin jetzt rechtfertigen, warum nichts vorangeht. Warum sie so viel Geld riskierte, ohne den Fortgang der Dinge beeinflussen zu können: Jeden Tag verbrenne Opel drei bis fünf Millionen Euro, sagt ein Mann, der die Zahlen genau kennt. Es ist das Geld der Steuerzahler.

Man hätte Opel sich selbst überlassen – und damit in die Insolvenz schicken – können. Das aber schloss Angela Merkel früh aus, empfing lieber die deutschen Opel-Manager im Kanzleramt und trat vor den Arbeitern in Rüsselsheim auf.

"Angie, Du wirst uns doch nicht hängen lassen": Opel-Werker warten auf Merkel © Mario Vedder/Getty Images

Der Staat hätte Opel mehrheitlich übernehmen können, so wie es SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gefordert hatte. "Dann wäre der Verkauf von Opel schon längst über die Bühne gegangen", sagt ein hochrangiger Sozialdemokrat. Eine Staatsbeteiligung aber konnte Merkel in ihrer Partei nicht durchsetzen.