Brüllende Hitze, Hupen, Ozonwarnung. Paris im Sommer ist ein infernalischer Kessel. Man ringt nach Luft zwischen den hohen Fassaden der Haussmann-Gebäude. Erst hinter den hohen, mit vergoldeten Blättern geschmückten Toren des Jardin du Luxembourg lässt die Hitze nach, der dröhnende Lärm der Stadt verklingt. Vögel singen, pastellfarbene Blumen blühen in den Rabatten. Der Luco, wie die Anwohner den Park im Quartier Latin liebevoll nennen, ist eine kleine Lunge mitten in einer Stadt am Rand des Erstickungstodes, einer der wenigen grünen Flecken im Zentrum dieser steinernen Metropole.

Auch mir wird leicht ums Herz, wenn ich durch die Alleen spaziere, vorbei an den Statuen der französischen Königinnen am Bassin Central, in dem die Kinder ihre Segelboote schwimmen lassen. Ich setze mich mit einem Buch unter den Platanenbaldachin an der Fontaine de Médicis und beobachte die alten Damen in den weißen Kostümen, die dort kerzengerade auf den eisernen Stühlen sitzen. Ein schönes, altmodisches Bild, das ich in Berlin, wo ich seit vielen Jahren lebe, nirgends mehr zu sehen bekomme.

Der Tiergarten, der zentrale Park der Berliner, ist eher ein Wald, ein dichter Dschungel, in dem man leicht verloren gehen kann. An heißen Tagen gleicht er einem FKK-Camp. Hinter der Siegessäule bräunen sich die Schwulen in Lederstrings, zwischen nackten Körpern toben Hunde herum. Nur ein Nacktjogger erregte einmal Anstoß. Wer weiß, warum. Fußbälle und Frisbees schießen durch den Sommerhimmel, Fahrradfahrer jagen die Wege entlang. Der Tiergarten, das sind 220 Hektar Freiheit in unmittelbarer Nähe des Regierungsviertels.

Der Jardin du Luxembourg, der Garten des französischen Senats, das sind 25 Hektar anspruchsvollste Gartenkunst. Jeder Winkel ist von Gärtnerhand gestaltet, die Regeln der Symmetrie werden strikt eingehalten. Wären nicht die nounous, die afrikanischen Tagesmütter, mit ihren Buggys an die Stelle der vornehm blassen Gouvernanten getreten, die hier einst ihre mit Spitzenkissen bedeckten Kinderwagen über die schnurgeraden Wege schoben, könnte man glauben, im Luco sei die Zeit an einem Nachmittag im Jahr 1900 stehen geblieben.

Das berühmte Karussell, ein Juwel, 1879 von Charles Garnier, dem Erbauer der Pariser Oper, errichtet, wird schon in einem Rilke-Gedicht besungen. Wenn die Kinder sich auf die kunstvoll geschnitzten Holzpferdchen setzen, fürchtet man, sie könnten zusammenbrechen. Auch das Stammpublikum scheint aus einer anderen Zeit zu kommen. Armenische Großfamilien, die im Sonntagsstaat einen Spaziergang unternehmen, ältere Herren, die ihre Jacke nur ablegen, wenn sie Schach oder Boule spielen, die alten Damen in den weißen Kostümen.