Werden in der krisengeschüttelten Automobilbranche überhaupt noch Ingenieure gesucht?

Ja, wenn auch nicht so viele. Die Zeiten, in denen Ingenieure unter 20 Stellen auswählen konnten, sind im Augenblick vorbei. "Es gibt einige, überwiegend größere Firmen, die antizyklisch vorgehen und die Auswahl an Bewerbern nutzen, um für sich die größten Talente zu finden", sagt Wolfgang K. Eckelt, Geschäftsführer von Eckelt Consultants, die sich auf Personalberatung in der Automobilbranche spezialisiert haben. "Das sind allerdings Ausnahmen. Die meisten Zulieferer und Hersteller haben einen Einstellungsstopp."

In welchen Bereichen gibt es noch die besten Jobchancen?

Vor allem in der Forschung und Entwicklung. Und dort überall, wo es um sogenannte Green Technology geht, also alternative Antriebstechnologien wie Elektromotoren, Rückgewinnung von Energie über Abwärme, aber auch Leichtbauweisen. Ein anderer wichtiger Bereich ist das Infotainment, zum Beispiel die Entwicklung von Navigationssystemen. Vor allem Absolventen der Fahrzeug- oder Energietechnik, der Mechatronik sowie solche mit Erfahrungen im Bereich Elektro- und Hybridfahrzeuge sind also gefragt.

Was muss ich tun, um jetzt einen der wenigen Jobs zu bekommen?

In Zeiten, in denen auf eine Stelle mehr als hundert Bewerber kommen, zählen persönliche Kontakte. 60 Prozent der eingestellten Hochschulabsolventen bei Audi haben vorher ein Praktikum im Unternehmen gemacht oder dort eine Abschlussarbeit geschrieben. Eine gute Möglichkeit, viele potenzielle Arbeitgeber auf einmal zu treffen, sind Branchenveranstaltungen wie die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), die in diesem Jahr vom 17. bis 27. September in Frankfurt am Main stattfindet. Während bei allgemeinen Jobmessen oft fast kein Automobilhersteller oder -zulieferer mehr einen Stand hat, sind bei der IAA immer noch viele Unternehmen vertreten. Am besten die Bewerbungsmappe gleich mitbringen.

Über welche Fähigkeiten müssen Bewerber noch verfügen?

Da meist im Team gearbeitet wird, legen die Unternehmen auch bei ihren Ingenieuren Wert auf Verhandlungsgeschick und Kommunikationsfreude. "Man darf nicht meinen, der Techniker sei immer nur der, der eine Formel beherrschen muss", sagt Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Da die Automobilindustrie außerdem eine internationale Branche ist, erwarten viele Unternehmen von ihren Angestellten eine gewisse Mobilität. "Damit ist nicht nur die Bereitschaft gemeint, für einige Monate ins Ausland zu gehen, sondern vielleicht auch mal für zwei oder drei Jahre", erklärt Personalberater Eckelt, der die Wachstumsmärkte überwiegend in Asien sieht.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Beim VDA sieht man die Zukunft für Ingenieure positiv. Das liegt nicht nur am erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch an der demografischen Entwicklung in Deutschland. "Viele Ingenieure erreichen in den nächsten Jahren das Rentenalter. Deshalb gehen wir davon aus, dass es einen erheblichen Bedarf an jungen Kräften geben wird, um diese Stellen wieder zu besetzen", sagt Rotter.

Wie kann ich die Krise überbrücken, wenn ich nicht sofort eine Stelle finde?

Mit allem, was mich fachlich weiterbringt. Das kann ein Masterabschluss sein, aber auch ein Praktikum oder eine Promotion – am besten in einem Unternehmen, das als potenzieller Arbeitgeber infrage kommt. Außerdem können Sprachkurse oder Auslandsaufenthalte von Vorteil sein. Denn die Bewerbung fällt immer leichter, wenn es keine Lücken im Lebenslauf gibt.

Zusammengestellt von Alexandra Busse