Offiziell ist die Zusammenarbeit beendet, das Land Rheinland-Pfalz und der private Verein, der sich Arp-Stiftung nennt, haben sich getrennt. Ursprünglich hatten sie gemeinsam das schneeweiße Museum betreiben wollen, das der Architekt Richard Meier für 33 Millionen Euro oberhalb des Bahnhofs Remagen-Rolandseck für die Werke des Künstlers Hans Arp in einen Hang gebaut hatte. Nach langen Auseinandersetzungen über Personal- und Echtheitsfragen ging man schließlich im Sommer 2008 auseinander. Wesentliche Streitpunkte allerdings sind bis heute ungeklärt. Jener zum Beispiel, ob alle rund 400 Werke, die das Land Mitte der neunziger Jahre vom Verein für zehn Millionen Euro gekauft hatte, tatsächlich von Arp selbst hergestellt worden waren oder ob sie wenigstens von seinen Erben autorisiert wurden.

Mehr als 20 Arbeiten musste der Verein bereits zurücknehmen, weil ihre Eigenhändigkeit nicht eindeutig feststeht oder Mängel bei der Ausführung bestehen. Die Authentizität zahlreicher weiterer Stücke in Landesbesitz zweifelt seit vielen Jahren der Karlsruher Kunsthistoriker Gert Reising an. Er behauptet, dass im Remagener Museum auch schlichte Repliken gezeigt werden, deren Autor nicht Hans Arp war.

Ganz in der Nähe des Remagener Museums sind nun Fundstücke aufgetaucht, die diese These belegen könnten. In einem Bauwagen auf dem Gelände der Stukkateurfirma Esch lagern seit den achtziger Jahren mindestens drei Plastiken unterschiedlicher Größe, die der 1997 verstorbene Galerist, Sammler und Kulturveranstalter Johannes Wasmuth in Auftrag gegeben haben soll – als Gussvorlagen für neue Arp-Plastiken.

Wasmuth hatte Teile des Arp-Nachlasses von dessen Witwe Marguerite übernommen und später dem Arp-Verein überlassen. Dazu gehörte auch das Recht, jene Skulpturen posthum nachgießen zu lassen, deren vom Künstler festgelegte Auflagenzahl noch nicht erreicht war. Seriös war dies nur mit Arps originalen Gussschalen und Moulagen möglich. Diese Originalformen allerdings befanden sich nach Reisings Erinnerung schon früh in einem so schlechten Zustand, dass von ihnen gar nicht mehr hätte gegossen werden können: "In den 1980er Jahren war ich mit Wasmuth im Keller des Bahnhofs Rolandseck und habe Teile des Arp-Nachlasses gesehen, den Wasmuth besaß. Die Schalen waren so kaputt, dass man davon sicher keine Skulpturen mehr herstellen konnte."

Erhalten geblieben sind auch verschiedene Dokumente, die auf die Fragwürdigkeit der Nachgüsse hinweisen. So finden sich in den Unterlagen der Stukkateurfirma mehrere Rechnungen über 78.000 Mark für die Erneuerung von Gussschalen, ausgestellt vom Vater des jetzigen Firmeninhabers, adressiert an Wasmuth.

Gert Reising vermutet nun, dass insgesamt Vorlagen für etwa 30 bis 50 Plastiken geliefert wurden – abgeformt von Plastiken aus Wasmuths Besitz. Diese neu hergestellten Vorlagen, von denen einige noch in der Stukkateurfirma in der Nähe von Remagen lagern, sind leicht beschädigt. An jener Figur etwa, die einem Torso gleicht, ist ein Teil des Kopfes abgesprungen. Er wurde wieder angeklebt, wobei eine dünne Fuge entstand, die eine Vorlage für einen Bronzeguss nicht haben sollte. Deshalb wurden die drei Exemplare nicht an den Auftraggeber Wasmuth ausgeliefert.

Das Land Rheinland-Pfalz muss sich nach dem spektakulären Fund nun erneut fragen lassen, ob es für viel Geld Plastiken erworben hat, die nicht allein nach Arps Tod gegossen wurden. Zu klären ist auch die Frage, ob noch nicht einmal die Gussvorlagen vom Künstler selbst stammten – sondern von einem talentierten Handwerker aus Köln. "Was nicht von Arp stammt", sagt Gert Reising, "muss das Land an den Verein zurückgeben und stattdessen für die Steuermittel, die es ausgegeben hat, echte und gute Arps verlangen – denn die hat der Verein ja noch." Dasselbe Problem stelle sich unter anderem auch für Museen in Hamburg, Stuttgart und Straßburg, die Werke aus dem Wasmuth-Nachlass erwarben.