Die Deutsche Bank ist auf den Erfolg ihrer Tochtergesellschaften richtig stolz. Im Internetportal der Deutsche Bank Offshore Group brüstet sie sich mit Auszeichnungen. Auf den Cayman-Inseln zum Beispiel sei sie dreimal in Folge zur besten privaten Bank gewählt worden, ist da zu lesen, und 2008 habe sie auf Guernsey, Jersey und Mauritius an der Spitze gestanden. Was der Vorteil solcher Standorte ist, erklärt die Deutsche Bank auch. »Schlüsselattraktion für anspruchsvolle Kunden ist oft die Möglichkeit, offshore Rechtsstrukturen zu errichten, die Steuerverpflichtungen eliminieren oder reduzieren«, heißt es.

Offene Worte. Bemerkenswert offen in einer Zeit, in der Geschäfte mit Steueroasen so geächtet sind wie nie zuvor. Regierungen aus aller Welt denken seit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise über ein transparenteres System der Aufsicht nach – und da gelten Offshore-Oasen mit ihren geheimniskrämerischen Rechtskonstruktionen als Gefahr erster Ordnung. Regierungen reicher Länder haben sich über beide Ohren verschuldet, um die Wirtschaft zu retten – und brauchen künftig jeden Cent Steuergeld, erst recht aber die Milliarden, die Steuersünder in den Oasen verstecken.

Die ZEIT veröffentlicht nun erstmals detaillierte Erkenntnisse über die Aktivitäten deutscher Banken in der Schweiz, Liechtenstein und einigen der führenden Offshore-Zentren der Welt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in zwei Umfragen vom November 2008 und Mai 2009 zunächst 31 und dann 16 Banken befragt. Die Finanzinstitute mussten über ihre Geschäfte in den Alpenländern Auskunft erteilen – und in 21 Offshore-Oasen von Barbados und Santa Lucia über Guernsey und Monaco bis hin zu Singapur und Uruguay.

»Die meisten Geschäftsaktivitäten«, heißt es in einem internen Vermerk des Bundesfinanzministeriums zum Thema Offshore, »unterhalten die Deutsche Bank und – mit großem Abstand – Commerzbank und Sal. Oppenheim.«

Den Umfragen zufolge managt allein der Branchenprimus Deutsche Bank von der Schweiz aus Geschäftsbeziehungen zu mindestens 566 Stiftungen und Trusts, die gar nicht nach Schweizer Recht ausgestaltet sind, sondern nach dem berüchtigter Steueroasen – von Curaçao bis zu den britischen Jungferninseln. Hinzu kommen 204 Tochtergesellschaften, Beteiligungen und Rechtseinheiten in 13 Offshore-Zentren mit zusammen 2428 Kundenbeziehungen, allein 868 davon in Singapur.

Diese Zahlen basieren – wie alle im Folgenden genannten Zahlen, sofern nicht anders vermerkt – auf den Erkenntnissen der zwei Umfragen und damit auf den Auskünften, die die Banken selbst erteilt haben. Zum damaligen Zeitpunkt.

Für den Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ist die Beschaffung solch detaillierter Angaben Teil einer neuen Strategie. Im Oktober 2008 hat sein Haus einen zusätzlichen Weg im Kampf gegen die Steuerflucht ins Ausland eingeschlagen: Es geht darum, das Netz von Bankenaktivitäten offenzulegen, das solche Steuerflucht überhaupt erst ermöglicht.