Fässer mit radioaktivem Müll wurden ins Salz abgekippt und "eingepökelt"

Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Schon in den dreißiger Jahren, das weiß man inzwischen, war erstmals Wasser in den Schacht Asse II eingedrungen. Die beiden Nachbarschächte, Asse I und Asse III, waren bereits wenige Jahre nach ihrer Inbetriebnahme Anfang des vorigen Jahrhunderts voll Wasser gelaufen und mussten aufgegeben werden. Trotzdem behauptete der Staatssekretär im Bundeswissenschaftsministerium, Klaus von Dohnanyi (SPD), noch 1972 über Asse II: "Das Eindringen von Wasser kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden."

Salz gilt der Atomindustrie als ideales "Wirtsgestein" für radioaktiven Müll. Es sei extrem stabil und leite die Hitze ab, die vor allem hochradioaktiver Müll erzeuge. Die ältesten deutschen Salzformationen sind 240 Millionen Jahre alt. Doch es gibt zwei Faktoren, die diese Stabilität einschränken: Legt der Mensch im Salz Bergwerke an, entstehen Hohlräume und das Salz gerät in Bewegung; kommt das Salz in Berührung mit Wasser, wird es instabil – auf die Asse trifft beides zu. Als der Mensch sich näherte und Wege und Kammern heraussprengte, bekam das Gestein Risse.

Nach außen deklarierte die Politik den Schacht als Forschungsbergwerk; die Abfälle stammten aus Kernforschungszentren und nicht aus der Industrie. Von einem "Versuchsendlager" war die Rede. Das sollte der Bevölkerung suggerieren: Wenn die Forschung ergibt, dass der Schacht doch ungeeignet ist, wird der Atommüll eben wieder herausgeholt. Aber daran dachte niemand ernsthaft, was schon an der Art der Einlagerung zu erkennen ist. Hat man die Fässer anfangs noch sorgsam gestapelt, mal liegend, mal stehend, wurden sie später einfach mit einem Radlader einen Abhang im Berg hinuntergekippt und mit Salz überdeckt – im Jargon hieß die Methode "Einpökeln". Dass dabei Fässer beschädigt wurden, kümmerte niemanden.

Von 1967 bis 1978 wurden 124.494 Fässer mit schwachradioaktiven Abfällen und 1293 Fässer mit mittelradioaktivem Müll in der Asse eingelagert. Wobei die exakten Zahlen eine Gründlichkeit suggerieren, die – siehe Plutonium – trügerisch ist. Allein in den letzten Wochen und Tagen des Jahres 1978, bevor die Genehmigung zur Einlagerung auslief, wurden schnell noch über 30.000 Fässer unter Tage geschafft, sogar zwischen den Feiertagen. Wer will beschwören, dass in der Hektik jener Tage akribisch Buch geführt wurde über jedes einzelne Atommüllfass?

Die angelieferten Abfälle kamen überwiegend vom Kernforschungszentrum Karlsruhe und wurden als Forschungsabfall deklariert. Es stellte sich jedoch heraus, dass der größte Teil davon aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe stammte, die auf demselben Gelände betrieben wurde. Sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland lieferten damals ihren Müll dorthin, sodass laut Umweltministerium in Wahrheit etwa drei Viertel aller Radioaktivität in der Asse aus der Energiewirtschaft stammten.