Die neue Katze ist noch sehr jung. Sie springt auf den Esstisch. Sie versucht, von unseren Tellern Essen zu stehlen, sie geht auf dem Küchenbord spazieren. Sie schlüpft in den Brotbeutel und leckt am Ciabatta (2,20 Euro). Mit ihren Milchzähnchen zerfetzt sie die Mülltüte und trägt, mit sichtlichem Stolz, gebrauchte Teebeutel, aus denen feuchte Blätter rieseln, in der Wohnung umher. Sie wirft die Zimmerpflanze um, reißt ihr die Blätter ab und zerstreut die Blumenerde. Wenn ich am Computer sitze, versucht sie, mit ausgefahrenen Krallen an meinem nackten Bein hochzuklettern, als ob mein Bein ein Baumstamm wäre. Am Bein habe ich blutige Striemen wie nach einer saudi-arabischen Auspeitschung. Das werden sicher Narben.

Die Katze springt auf meine Schulter und will mit meinen Haaren spielen. Dabei rutscht sie ab, krallt sich an meiner Brust fest und reißt mir kleine, rosafarbene Stücke Brustfleisch heraus. Das Allerschlimmste: Zum Krallenschärfen benutzt die Katze das teure Wohnzimmersofa. Diese Katze muss erzogen werden.

Bei Kindern gibt es Phasen. Erst kriechen sie auf dem Boden, fassen alles an, sabbern alles ein und werfen alles um. Dann rennen sie kreischend umher und wollen toben. Dann sind sie in der Pubertät, leisten Widerstand und stellen dich infrage. Bei Katzen finden alle Phasen gleichzeitig statt. Ich kann so nicht leben. Ich kann so nicht arbeiten.

Ich habe "Katzenerziehung" gegoogelt. Auf der Seite Cats World wird empfohlen, dass man die Katze anschreit, man soll "Nein! Nein!" schreien. Man könnte sie aber auch mit einer Wasserpistole nass spritzen, wenn sie unerwünschte Verhaltensweisen zeigt. Auf ellviva heißt es, dass man ein gutes Vorbild geben soll. Wenn die Katze ihre Krallen am Sofa schärft, soll ich sie einfach aufnehmen, einfach mit ihr zum Kratzbaum gehen und einfach so tun, als ob ich mir meine Fingernägel am Kratzbaum schärfe. Das habe ich getan. Ich habe vor einem Kratzbaum gekniet und so getan, als gäbe es für mich nichts Schöneres, als mir dort meine Nägel zu schärfen. Ich habe sogar geschnurrt. Eine halbe Stunde lang habe ich mir schnurrend meine Nägel geschärft. Es nützt nichts.

Auf Brigitte.de habe ich ein Gespräch mit der Tierpsychologin Christine Hauschild gefunden. Die Tierpsychologin sagt, das Falscheste, was man tun könne, sei, die Katze mit einer Wasserpistole nass zu spritzen. Fast genauso schlimm sei, wenn man "Nein! Nein!" schreie. Die Beziehung zu der Katze und ihre Psyche würden irreparablen Schaden nehmen. Man soll mit positiven Verstärkern arbeiten. Immer wenn die Katze etwas richtig macht, soll man ihr ein Leckerli geben. Aber diese Katze geht überhaupt nie zu dem Kratzbaum. Ich könnte der Katze jedes Mal ein Leckerli geben, wenn sie gar nichts tut. Dieses Verhalten ist das positivste Verhalten, das ich bisher von ihr kennengelernt habe.