Am Sonnabend um 13 Uhr schlägt in Berlin wieder einmal die Stunde des Führers. Da wird im Bezirk Tempelhof ein so hässliches wie entbehrliches Nazibauwerk der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert, und die Denkmalschützer sind auch noch stolz darauf. Wie es dazu kam, ist eine so irrsinnige wie traurige Geschichte, die ihren Anfang nahm bei einem kleinen Mann, der die Weltherrschaft anstrebte.

Adolf Hitler brauchte auch zu Hause alles ganz groß. Er wollte aus dem chaotischen, aus Dörfern zusammengewachsenen Berlin eine imposante Hauptstadt formen: "Germania". Zwei Schneisen, von Osten nach Westen und von Norden nach Süden, sollten die Stadt ordnen. London und Paris würden verblassen!

Die Ost-West-Achse wurde zu Hitlers 50.Geburtstag 1939 noch verwirklicht und ist in ihrer Grundstruktur der Nachwelt erhalten geblieben. So kann der Berlin-Tourist noch heute die Leuchten, die des Führers Generalbauinspektor Albert Speer entwarf, auf dem Kaiserdamm besichtigen und sich fragen, ob das Licht dieser zur Seite strahlenden Laternen überhaupt Straße und Bürgersteig erreicht oder ob es sich nicht hier, wie bei so vielen Bauten der Nazizeit, um eine martialische Inszenierung handelt, um eine Linie kerzengrader Soldaten. Selbst die Unebenheiten des Geländes hatte Speer ausgleichen lassen, indem er die Lampenmasten entsprechend kürzen und verlängern ließ, damit alles wehrmachtsgerade aussah.

Bei der Nord-Süd-Achse gab es Probleme. Hier konnten Speer und Er nicht auf vorhandene Straßenzüge zurückgreifen. Und die Schneise, die vom Spreebogen, an dem heute die Parlaments- und Regierungsgebäude stehen, bis zum fünf Kilometer entfernten Bahnhof Südkreuz geführt hätte, war mit 120 Metern auch reichlich breit. Überflüssig zu erwähnen, dass die Bauten entlang dieser Straße gigantisch werden sollten. Und dass aus all dem nichts mehr geworden ist, auch wenn die alliierten Bomber dem Generalbauinspektor den Abriss ganzer Straßenzüge abnahmen, was dieser noch in seine bereits während des Krieges aufgenommene Nach-Sieg-Planung übertrug.

Im heutigen Tempelhof, im spitzen Winkel zwischen Loewenhardtdamm und General-von-Pape-Straße, steht ein Relikt des Germania-Projekts, ein zylindrischer Betonklotz, 12650 Tonnen schwer. 14 Meter ragt er in den Berliner Himmel auf, Durchmesser: 21 Meter. Sein immenses Gewicht sollte die Massen des Triumphbogens simulieren, der dort ganz in der Nähe vorgesehen war und mit mehr als hundert Metern Durchfahrtshöhe gewiss keinem Berliner Doppeldeckerbus in die Quere gekommen wäre. Der "Schwerbelastungskörper" sollte die Tragfähigkeit des Bodens testen und sonst nichts. 1941 wurde das Nazigewicht gebaut, schon nach drei Jahren war es um 20 Zentimeter eingesunken. Ringsum sank die Stadt in Schutt und Asche.

Aber große Pläne sind nicht so leicht totzukriegen. Sie wirken fort bis in die Gegenwart. Sage und schreibe 913750 Euro haben der Bund, das Land und die EU bezahlt: für die Sanierung des Betonklotzes, die Errichtung eines Aussichtsturms mit Plattform und eines Infohäuschens. Zum Vergleich: Für die Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer eines nur wenige hundert Meter entfernt liegenden NS-Polizeigefängnisses sind 83.000 Euro eingeplant.

An diesem Sonnabend nun, zum "Tag des offenen Denkmals", wird der "Informationsort" feierlich eröffnet. Der Verein Berliner Unterwelten, der den Schwerbelastungskörper im Auftrag des Bezirks betreuen soll, schreibt auf seiner Website, dass "mit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit um Interesse, Verständnis und größtmögliche Zusammenarbeit zum Erhalt dieses bauhistorisch einzigartigen Bauwerks" geworben werden soll.