Die Bundesbahn, ein Leitbetrieb in vieler Hinsicht, setzt nun auch bei der Mitarbeiterbetreuung wichtige Akzente. Anderen Konzernen mag man im Bereich der Human Resources Defizite nachsagen, die Bahn hingegen geht ganz neue Wege. So weit reicht das Interesse für die Belegschaft, dass körperliche Gebrechen, Verletzungen und ärztliche Befunde präzise erfasst werden. Nur wenn eine auskurierte Nebenhöhlenentzündung im Personalakt evident ist, kann nämlich die Arbeit eines Liegewagenschaffners korrekt evaluiert werden. Honi soit qui mal y pense.

Zudem nehmen Abteilungsleiter bei langwierigen Erkrankungen verdienter Kräfte auch Hausbesuche auf sich. Kann es ein deutlicheres Zeichen der Fürsorge in diesen kalten Zeiten des Turbokapitalismus geben? Ein amikales Gespräch in entspannter, häuslicher Atmosphäre – da sind sich internationale Studien einig – verkürzt Krankenstände radikal. Damit nicht genug, das Unternehmen bietet auch den wohl einmaligen Service an, Vorgesetzte zur Begleitung bei Arztbesuchen bereitzustellen.

Dadurch wird vielen erkrankten Bahnbediensteten die Scheu vor dem Doktor genommen und eine klare Diagnose ermöglicht. Beruhigend, dass jetzt sogar Äskulaps Jünger ihren Eid nicht mehr so genau nehmen und im Dienste der guten Sache intime Details aus der Anamnese ausplaudern. Bei eher peinlichen Leiden sorgt eine interne Veröffentlichung dann für Gaudium unter der ganzen Belegschaft. So entstand ein sehr offenes Betriebsklima, das wohl entscheidend für den Aufschwung der Bundesbahn verantwortlich ist.