Selten hat ein Auto in mir so widersprüchliche Gefühle geweckt. Das fängt schon mit der Typenbezeichnung des Mercedes-Benz S 400 Hybrid an: steht doch das große S für die in heutiger Zeit anachronistisch erscheinende Klasse der ganz großen Luxuslimousinen. Sie erinnern trotz aller Eleganz an die letzten Dinosaurier, auch wenn Chefmanager, Prominente und gestresste Minister sich noch nicht vorstellen können, auf diese rollenden Hightech-Wohnzimmer zu verzichten. Wenn man erst mal drin sitzt, kann man das sogar verstehen: Die S-Klasse ist das erste Auto, in dem ich mir überlege, ob ich lieber vorne oder hinten sitze. Geräumig, sicher, bequem und kraftvoll hat so ein Statusgefährt seit je zu sein – das bedeutet aber auch, dass es schwer und durstig ist. Dennoch, ihr Ziel verfehlte die S-Klasse beim Vorfahren bei der Verwandtschaft auf der Schwäbischen Alb nicht: Sie machte Eindruck.

Automobilkenner wie Schwager Peter sehen sofort auch das Ungewöhnliche an der Typenbezeichnung am Heck des Testwagens: "Hybrid" steht für den genau entgegengesetzten Trend zum Energieverschwenden, für den Versuch, mittels elektrischen Zusatzantriebs zum herkömmlichen Ölbrenner den Spritverbrauch zu senken. Seit Jahren haben hier Toyota und Honda die deutschen Konkurrenten wie umweltpolitische Hinterwäldler aussehen lassen. Das soll sich mit dem S-Klasse-Hybrid ändern.

Die über fünf Meter lange Limousine hat als erstes Großserienfahrzeug weltweit nicht nur einen E-Motor mit rund 20 PS, der die 279 Pferdestärken des Benzinmotors ergänzt, sondern als Energiespeicher sogar eine ultramoderne Lithium-Ionen-Batterie. Der Akku speichert beim Bremsen und beim Gaswegnehmen überschüssige Energie, die dann beim Fahren wieder eingesetzt wird. Und was spart das in der Praxis? Rund 11,4 Liter auf 100 Kilometer im gemischten Verkehr hat der Wagen geschluckt. Für ein Auto mit Nachtsichtradar, Sitzbelüftung und automatischer Notbremsfunktion nicht extrem viel. Aber der kleinste Daimler, der Smart Diesel, braucht halt nur ein Drittel davon.

Alle mitgenommenen Passagiere, vom Schwager über den Opa bis zur neunjährigen Tochter (KI.KA gucken auf dem Rücksitz! Super!), fanden die S-Klasse ultrabequem, obwohl sie auf keinen Standardparkplatz passt. Dennoch ließ mich eine Frage bis zum Ende der Testfahrt nicht los: Warum hat Daimler den Hybrid nicht zuerst in einem "kleinen" Mercedes gebracht? Der Verdacht: Man denkt in Stuttgart halt immer noch von oben nach unten.

Technische Daten:
Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor / Elektromotor
Leistung (kombiniert): 220 kW (299 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 189 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,1 Liter
Basispreis: 85.323 Euro