DIE ZEIT: Diesen Monat treten Sie an der FH Eberswalde eine der bundesweit ersten Forschungsprofessuren an Fachhochschulen an, was bedeutet das?

Jürgen Peters: Als die Fachhochschulen Anfang der 1970er Jahre gegründet wurden, waren sie nur für die Lehre zuständig. Neuerdings haben zwar auch die Fachhochschulen per Gesetz einen Forschungsauftrag, doch FH-Professoren müssen immer noch 18 oder 19 Stunden pro Woche unterrichten. Brandenburg hat als erstes Bundesland 15 Professuren ausgeschrieben, bei denen die Lehrverpflichtung auf den Uni-Standard von neun gesenkt wird.

ZEIT: Sie haben also keine Lust mehr auf Lehre.

Peters: Im Gegenteil. Wie soll ich meine Studenten von etwas begeistern, das ich mir selbst nur angelesen habe? Spannende Lehre bedeutet, dass ich mit den Studenten zusammen relevante Forschungsfragen entwickle und die Methoden einführe, um sie zu lösen.

ZEIT: Woran wollen Sie forschen?

Peters: Mein Thema ist die Entwicklung des ländlichen Raumes unter den Bedingungen der Globalisierung und der Energiekrise: Wie kann man die Windkraft weiter fördern, ohne einfach die Natur mit Windrädern zuzupflastern? Wie hole ich die örtliche Bevölkerung ins Boot? An Fachhochschulen ist die Forschung möglichst anwendungsbezogen.

ZEIT: Werden Forschungsprofs an FHs die Regel?

 Peters: Das glaube ich nicht. Aber es muss sie geben, in nicht zu geringer Zahl. Viel wird davon abhängen, wie wir ersten Forschungsprofessoren unseren Job machen. Mir ist die Verantwortung, die mit dieser Chance einhergeht, sehr bewusst.

Interview: Jan-Martin Wiarda

Jürgen Peters, 50, ist Forschungsprofessor an der FH Eberswalde