Welche Rechte hat ein Auszubildender?
Das Berufsausbildungsgesetz verbietet es, Lehrlingen Aufgaben zu geben, die ihre körperlichen Kräfte übersteigen. Den Auszubildenden für Krankheitsvertretungen einsetzen? Ihn zur Akkordarbeit schicken? Die Azubis unter 18 Jahren mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten lassen? Das ist Betrieben nicht erlaubt. Alle Aufgaben müssen dem Ausbildungszweck dienen. Wer unsicher ist, ob dies zutrifft, sollte in die Ausbildungsordnung schauen, die es für jeden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf gibt: Darin steht, welche Fähigkeiten und Kenntnisse der Betrieb genau vermitteln muss. Wer noch nicht volljährig ist, hat übrigens je nach Alter Anspruch auf mindestens 25 bis 30 Werktage Urlaub, über 18-Jährige auf mindestens 24 Werktage.

Und welche Pflichten?
Ein Auszubildender muss tun, was sein Ausbilder sagt – außer, seine Weisungen verstoßen gegen Gesetze oder dienen nicht dem Ausbildungszweck. In jedem Betrieb gibt es bestimmte Sicherheits- und Ordnungsvorschriften, an die sich der Azubi halten muss. Und: Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse auszuplaudern ist streng verboten!

Gibt es finanzielle Zuschüsse?
Für Auszubildende gibt es zusätzlich zum Gehalt die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) – einen Zuschuss von maximal 518 Euro im Monat für den Lebensunterhalt, den man bei der Agentur für Arbeit beantragen kann. In der Regel wird nur die erste Ausbildung gefördert, Abbrecher und Umschüler bekommen nichts. Und wer noch minderjährig ist, erhält nur dann BAB, wenn er nicht mehr bei seinen Eltern wohnen kann, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt liegt und er mindestens eine Stunde pro Strecke fahren muss. Die Höhe der Beihilfe hängt davon ab, wie viel der Auszubildende selbst und seine Eltern verdienen.

Ist ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung möglich?
Auszubildende können bis zu einem Viertel ihrer Lehrzeit im Ausland verbringen. Dafür gibt es zahlreiche Programme: allen voran das EU-Austauschprogramm Leonardo da Vinci – es fördert mit bis zu 5000 Euro Praktika und Ausbildungsabschnitte in Europa für eine Dauer zwischen drei Wochen und neun Monaten. Den Antrag muss der Betrieb oder die Berufsschule stellen. Auch andere Projekte ermöglichen einen Auslandsaufenthalt, etwa das Euregio-Zertifikat am Oberrhein, das deutschen, französischen und Schweizer Azubis mindestens vierwöchige Praktika im Nachbarland vermittelt. Mit xchange kann man vier Wochen seiner betrieblichen Ausbildung in Frankreich, Italien, Österreich oder der Schweiz absolvieren. Oft lohnt es sich auch, beim Chef anzuklopfen: Gerade größere Unternehmen schicken ihre Auszubildenden in ausländische Niederlassungen, damit sie dort Erfahrungen sammeln können.

Kann man die Ausbildung eigentlich auch in Teilzeit absolvieren?
Ja, seit 2005 ist auch eine Ausbildung in Teilzeit möglich. Das Angebot richtet sich an junge Menschen bis 25 Jahre, die wegen der Geburt eines Kindes oder weil sie Angehörige pflegen ihre Ausbildung unterbrochen oder noch gar keine begonnen haben. Sie können ihre Arbeitszeit in Abstimmung mit dem Betrieb auf 25 bis 30 Stunden pro Woche reduzieren, ohne dass sich die Lehrzeit insgesamt verlängert. Wer weniger arbeitet, braucht ein Jahr länger bis zum Abschluss.

Es gibt Ärger im Betrieb. An wen kann man sich bei Problemen wenden?
Im Betrieb hilft der Personal- oder Betriebsrat, dieser muss zum Beispiel Überstunden generell genehmigen. Daneben gibt es Beratung unter anderem bei den zuständigen Kammern, bei Gewerkschaftsvertretern oder Berufsschulen. Anonym und hilfreich ist Dr. Azubi, ein kostenloser Online-Beratungsservice der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Lässt sich die Ausbildungszeit verkürzen?
Wer die Fachhochschulreife oder bereits eine andere Ausbildung gemacht hat, kann in der Regel seine Lehrzeit um ein Jahr reduzieren, mit Realschulabschluss sind sechs Monate drin. Auch ein Berufsbildungsjahr oder der Besuch einer Berufsfachschule werden angerechnet. Nach dem Beginn der Ausbildung kann man seine Lehrzeit nur noch verkürzen, wenn man besonders gut im Betrieb ist und gute Noten hat – an der Berufsschule braucht es dafür meistens einen Notendurchschnitt von mindestens "Zwei". Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Gesellen- oder Abschlussprüfung vorzeitig abzulegen, doch auch hier müssen die Leistungen stimmen. Den Antrag müssen der Azubi und sein Betrieb gemeinsam stellen, die Kammer entscheidet. Da die Regelungen in den einzelnen Bundesländern nicht einheitlich sind, sollte man sich vorher allerdings genau informieren. Was überall gilt: Eine zweijährige Ausbildung darf maximal um ein Jahr, eine längere Ausbildung um maximal 1,5 Jahre verkürzt werden.

Nach der Ausbildung schnell aufsteigen. Wie kann man das finanzieren?
Dafür gibt es zwei gute Programme. Zum einen das Meister-Bafög für Fachkräfte aus der Industrie, dem Handwerk und der Verwaltung, die eine erste Ausbildung nach der Handwerkerordnung oder dem Berufsbildungsgesetz abgeschlossen haben und mithilfe einer Fortbildung einen höheren Abschluss anstreben. Er darf jedoch nicht oberhalb der Meisterebene liegen. Zum anderen vergibt die Bundesregierung in Kooperation mit der Stiftung Begabtenförderungswerk berufliche Bildung (SBB) Stipendien an junge Fachkräfte unter 25 Jahren, die ihre Berufsabschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten oder besser als "gut" bestanden haben. Sie können das Stipendium für berufsbegleitende Studiengänge, Weiterbildungen und Aufstiegsfortbildungen nutzen.

Zusammengestellt von Christine Böhringer