DIE ZEIT: Herr Otellini, Mitte der sechziger Jahre stellte Intel-Gründer Gordon Moore das Mooresche Gesetz auf: Die Leistung von Computern verdoppelt sich alle zwei Jahre. Bislang stimmte das. Aber wie lange noch?

Paul S. Otellini: Wir sind sehr zuversichtlich. Die Grundlagen für die nächsten vier Generationen von Chips sind bereits vorhanden.

ZEIT: Sie werden also nicht der erste Intel-Chef sein, der das Mooresche Gesetz bricht?

Otellini: Oh nein. Ein alter Witz handelt von einem Manager, der einen neuen Job antritt und in der Schreibtischschublade einen Brief mit guten Ratschlägen seines gefeuerten Vorgängers findet. Bei Intel würde darin bloß stehen: Halte Dich an das Mooresche Gesetz!

ZEIT: Andererseits müssen Prozessoren heute nicht mehr nur schneller sein, sondern kleiner und billiger. Und zudem weniger Strom verbrauchen.

Otellini: Alles hängt miteinander zusammen. Je kleiner die Chips sind, desto weniger weit müssen die Elektronen fließen. So steigt die Geschwindigkeit, aber auch die Temperatur – mit diesem Problem hatten wir bis vor einigen Jahren zu kämpfen. Jetzt möchten wir mit unseren Chips die Entwicklung des Automobils nachvollziehen.

ZEIT: Was meinen Sie damit?

Otellini: Am Anfang stand das Ford Model A. Heute gibt es viele verschiedene Fahrzeuge für ganz unterschiedliche Kunden. Wir möchten Ähnliches nachvollziehen. Wir bauen die schnellsten Prozessoren für Server und die kleinsten für Netbooks und internetfähige Mobiltelefone.

ZEIT: Pläne mit einer gewissen Erfolgschance. Intels Marktmacht ist sehr groß…

Otellini: Moment. Wir sind zwar mit Abstand der größte Akteur im Halbleitergeschäft. Aber gemessen am weltweiten Volumen von 212 Milliarden Dollar, beträgt unser Marktanteil weniger als 15 Prozent.

ZEIT: Erwarten Sie, dass die Zahl Ihrer Konkurrenten abnimmt?

Otellini: Bei jenen, die Chipfabriken betreiben, wird es eine Konsolidierung geben. Solche Anlagen werden immer teurer, eine moderne Chipfabrik kostet heute um die 4,5 Milliarden Dollar. Wenn Sie damit 50 Prozent Marge erwirtschaften wollen – und das sollten Sie vernünftigerweise, wenn Sie profitabel sein wollen –, müssen Sie damit jährlich knapp 7 Milliarden Dollar umsetzen. Das schafft nicht jeder. Vielleicht bleibt Platz für eine Handvoll Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten und großen Netzwerken.

ZEIT: Kleinere Firmen werden verschwinden?

Otellini: Nicht unbedingt. Ein Großteil unserer Branche braucht ja gar keine eigenen Fabriken mehr. Viele Firmen entwickeln neue Produkte, stellen sie aber nicht selbst her. Wobei es schon Vorteile hat, eigene Fabriken zu besitzen: Die Margen sind besser, und die Produktionsprozesse lassen sich einfacher optimieren.