Daher versuchen Städte, einen Ausgleich zu finden zwischen den Musikwünschen der Touristen und dem Ruhebedürfnis der Einheimischen. Mal müssen Straßenkünstler jede Stunde den Standort wechseln (München), mal jede halbe (Hamburg), mal eine Mittagspause einlegen (Stuttgart). Mal dürfen sie nicht vor Imbissbuden stehen (Berliner U-Bahn), mal sollen sie 25 Meter Abstand zur nächsten Kirche halten (Wien). Und oft müssen sie auf einem Amt eine kostenpflichtige Genehmigung einholen. Bei den neuen Gütetests aber geht es nicht mehr nur um Formalien. Sie zielen auf die Qualität – und sollen so eine gängige Kritik entkräften: dass die Darbietungen oft eher Qual als Kunstgenuss seien.

In der Straßenmusikerszene selbst ist man nicht begeistert von dieser Art der Einflussnahme. Über die Güte eines Künstlers befinden in vielen Fällen Behördenmitarbeiter. Also Menschen, die sich eher mit Formularen auskennen als mit den Strömungen der Weltmusik. Auch wird Straßenmusik nur noch als Kunstform geduldet, nicht aber als Möglichkeit, wie ein in Not geratener Mensch sich vielleicht ein bisschen Geld verdienen kann. Und schließlich sieht man eine traditionsreiche Lebensform in Bedrängnis. Wer wie Hannes Wader "heute hier, morgen dort" durch die Lande tingeln will, könnte bald einen Tourmanager brauchen, der all die verschiedenen Regeln im Kopf hat und die Vorspieltermine kennt.

"Wer als Straßenmusiker unterwegs ist, hat doch gar nicht die Zeit, ständig vor Jurys aufzutreten", sagt Matthias Jürgens. Der Initiator des Forums Straßenmusik fände es allenfalls akzeptabel, "wenn man an einer Musikschule eine Art Gewerbeschein machen muss, der dann bundesweit gilt". Im Grunde aber ist Jürgens überzeugt, dass Qualitätstests gar nicht nötig sind. "Das regelt sich von selbst". In den Siebzigern habe man gut von Straßenmusik leben können, "man musste nicht mal gut sein". Heute aber sei die Konkurrenz hart, auch wegen der vielen Profimusiker aus Osteuropa. Wer langweilt, geht mit leerem Becher nach Hause.

"Die Musiker untereinander lassen eine schlechte Leistung nicht zu", heißt es auch auf einem Infoblatt der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). In Berlin gilt Straßenmusik als Kunst, die jeder nach Belieben darbieten darf. Die BVG sorgen lediglich dafür, dass sich die Metro-Musiker gleichmäßig verteilen. Jeden Mittwochmorgen werden im U-Bahnhof Rathaus Steglitz die Standorte für die Woche zugeteilt. Dem Ruf der Berliner Straßenmusiker hat der Verzicht aufs Vorspielen nicht geschadet: Die Szene gilt als so interessant, dass bereits Dokumentarfilme über sie gedreht wurden.