Gerald Koch arbeitet mit zeitlichem Vorlauf, im Dezember wäre es für seine Untersuchungen zu spät: Ein riesiger Weihnachtsmann hängt in seinem Labor, während draußen die Sonne auf das Hamburger Institut knallt und am Kiwi-Strauch vor der Tür die Früchte reifen. Der Weihnachtsmann aus Stoff ist ein riesiger Adventskalender, den ein großer Discounter geschickt hat. Koch soll die Holzleisten prüfen, auf die der Stoff gespannt ist.

Bevor in China die Produktion für das Weihnachtsgeschäft beginnt, will der Hersteller sichergehen, dass kein verbotenes Holz im Kalender steckt. Für solche Detektivarbeit ist das Institut für Holztechnologie und Holzbiologie eine der weltbesten Adressen.

Untersuchungen wie diese sind für Gerald Koch Routine, 400 Gutachten erstellt der Biologe jedes Jahr. Die Aufträge stammen von Unternehmen, Privatpersonen oder vom Zoll. "Wenn im Hafen eine große Partie ankommt, fahre ich auch mal rüber", sagt Koch. Der 40-Jährige ist einer der wenigen Experten für Holzartenbestimmung in Europa. Sein Wissen ist längst nicht nur beim Hamburger Zoll gefragt.

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Das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) schränkt den Handel mit 40 gefährdeten Hölzern ein. Einige besonders bedrohte Arten wie der Rio-Palisander dürfen gar nicht mehr verwendet oder verkauft werden.

Ist sich ein Importeur oder der Zoll bei einer Lieferung unsicher, kommt die Holzforschung in Hamburg-Bergedorf zum Zug. Dort lagert, unter Gerald Kochs Leitung, eine der größten Holzdatenbanken der Welt, mit 26.000 Holzmustern und 50.000 Mikroskop-Präparaten.

Um die Leisten im Adventskalender zu bestimmen, bedarf es jedoch keiner Muster. "Das ist Kiefer, das sehe ich aufden ersten Blick." Zur Absicherung hat eine seiner Mitarbeiterinnen aus dem Holzquader einen kleinen Würfel gesägt. Der Kubikzentimeter ist die Standard-Probe, mit der hier gearbeitet wird.

Um die Holzart zu bestimmen, betrachtet Koch zuerst die Oberfläche solcher Würfel unter der Lupe. "Damit kann man schon vieles erkennen", sagt er, "Nadelhölzer haben keine Gefäße, Laubhölzer dagegen immer."

Ein genaueres Bild der Holzstruktur verschafft er sich mit dem Mikroskop. Er spannt einen Objektträger ein, auf dem drei hauchdünne Schnitte des Würfels fixiert sind. "Schauen Sie mal durch, sehen Sie, dass die Zellschichten abwechselnd dichter und lockerer sind?" Dadurch entstünden die Jahresringe. Zu Beginn der Wachstumsperiode produziere der Baum große Zellen mit dünnen Zellwänden, danach setze er auf Stabilität. "Dann werden die Zellen kleiner und ihre Wände dicker", erklärt der Biologe. Es gebe bis zu 100 verschiedene mikroskopische Merkmale, mit deren Hilfe sich jedes Handelsholz zweifelsfrei bestimmen lasse.

Ist er sich einmal nicht ganz sicher, braucht er nur eine der Schubladen unter dem Labortisch zu öffnen: Darin liegen, säuberlich sortiert, Objektträger mit Proben der 400 häufigsten Handelshölzer, mit denen er sein Mikroskopbild vergleichen kann.