Der Bürgermeister von Zaragoza ist wütend. Wenn in der deutschen Mannschaft Angela Merkel spiele, solle sich für Spanien doch bitte schön auch Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero aufs Spielfeld bemühen, fordert Juan Belloch. Schließlich gehe es jetzt ums Ganze, entscheide sich in diesen Tagen endgültig die Zukunft von Opel – und damit auch die des Werkes in Zaragoza, seiner Stadt. Dabei werde, so Belloch, "Champions League gespielt".

Zaragoza gegen Gliwice, Luton gegen Bochum, Antwerpen gegen Eisenach: Der Streit um die Zukunft von Opel hat eine neue Stufe erreicht. Seitdem klar ist, dass Magna den Zuschlag für Opel Europe bekommt, wächst an den Standorten in England, Spanien, Belgien und Polen fast täglich die Angst. So sehr die Bundesregierung auch das Gegenteil behaupten mag: Allerorten vermutet man, dass mit deutschen Steuergeldern deutsche Opel-Arbeitsplätze gerettet werden – zulasten der Jobs bei den europäischen Nachbarn.

Es sei besorgniserregend, dass "aus politischen Motiven in Deutschland alles offen bleibt, während Antwerpen dicht gemacht wird", schimpft der flämische Ministerpräsident Kris Peters. Der spanische Industrieminister Miguel Sebastián, der am Dienstag extra für ein Treffen der Betroffenen ins Wirtschaftsministerium nach Berlin gereist war, pocht auf eine "europäische Lösung für Opel". Und ein Diplomat kommentiert verärgert: "Wenn die Merkel zwischen Herrn Rüttgers und unserem Premierminister entscheiden muss, dann zieht sie den Nordrhein-Westfalen vor. Der bringt mehr Stimmen."

Der Ärger der Nachbarn ist gefährlich. In Brüssel lässt er die Alarmglocken schrillen. Lange hatte sich die EU-Kommission im Fall Opel eher zurückgehalten. Zwar hatte Industriekommissar Günter Verheugen einige Treffen der Regierungen mit Vertretern der Opelwerke im Land organisiert und dann immer eine "europäische Lösung" angemahnt. Doch das war weitgehend ohne Folgen geblieben.

Nun aber, nach dem Zuschlag für Magna, wächst allerorten der Ruf nach Brüssels lenkender Hand. "Die EU-Kommission hat viel zu sehr gezögert", wettert am Montag der ehemalige belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt, der jetzt die Liberalen im EU-Parlament führt. Die gescholtene Behörde reagiert flugs. "Genau prüfen" werde sie, versprach EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes den Abgeordneten. Und ihr Kollege für Soziales und Beschäftigung, Vladimír Spidla, mahnte laut: "Sicherlich ist vielen in Zeiten der Krise das Hemd näher als der Rock." Doch der EU-Vertrag lasse keinen Platz für "ökonomischen Nationalismus".

Tatsächlich hat die EU-Kommission starke Mittel, um die Rechtmäßigkeit von Beihilfen einer Regierung an Unternehmen zu verhindern. Schließlich soll die Behörde den europäischen Binnenmarkt schützen – und für fairen Wettbewerb auch zwischen den Ländern sorgen. Deswegen kann sie die staatlichen Hilfen verbieten oder mit strengen Auflagen versehen – immer dann, wenn die "den Handel zwischen Mitgliedsstaaten beeinträchtigen", wenn sie also heimische Produktionsstätten zugunsten ausländischer bevorzugen.