ZEIT: In Ihrem neuen Buch geht es um den Graben zwischen Westen und islamischer Welt. Für viele ist der Mord an der Ägypterin Marwa al-Scherbini in Dresden ein weiterer Beleg dafür. Der Täter hatte die Frau, die ein Kopftuch trug, zuvor als "Islamistin" beschimpft.

Sadat: Der Mörder war ein Fanatiker, solche Leute gibt es leider überall auf der Welt. Natürlich ist das ein grauenhaftes, rassistisches Verbrechen. Es zeigt auch, wie falsch das Verständnis ist, das viele vom Islam haben. Wenn eine Frau ein Kopftuch trägt, heißt das noch lange nicht, dass sie eine Fanatikerin ist. Auch wenn ich es nie tragen würde, weiß ich doch, dass viele Frauen mit Kopftuch sehr aufgeklärt und offen sind.

ZEIT: Herrscht im Westen Islamophobie?

Sadat: In westlichen Medien dominiert noch immer das Bild vom Iran Chomeinis und von Diktatoren wie Saddam Hussein. Das ist falsch. Auch mein Mann war ein echter Muslim, und der Westen liebte ihn.

ZEIT: Anwar al-Sadat wurde 1981 von militanten Islamisten ermordet. Im Irak und in Afghanistan führen westliche Truppen Krieg – gegen Terrorismus. Kann man den Terror so eindämmen?

Sadat: Nein, das bringt nur noch mehr Terroristen hervor. Es muss eine globale Zusammenarbeit aller Länder geben, aber nicht, indem man den Irak oder Afghanistan besetzt. Der Krieg im Irak hat sich viel zu lange hingezogen. Die Amerikaner hätten Saddam stürzen und dann wieder gehen sollen.

ZEIT: Also war es richtig einzumarschieren?

Sadat: Um Saddam zu stürzen, ja, weil er ein Diktator war, den niemand sonst hätte stürzen können. Alle waren froh, als er weg war.

ZEIT: Ägypten geht seinen eigenen Weg im Antiterrorkampf. Islamisten werden reihenweise ins Gefängnis geworfen.

Sadat: Wenn sie gegen das Gesetz verstoßen, dann werden sie eingesperrt. Sie müssen die Gesetze respektieren. Sonst enden wir im Chaos.