ZEIT: Aber warum werden sie hier gefoltert und ohne ordentlichen Prozess eingesperrt?

Sadat: Es ist natürlich falsch zu foltern. So wie in Abu Ghraib, das war eine Katastrophe.

ZEIT: Und wie in Ägypten…

Sadat: Unsere Regierung sagt, dass in unseren Gefängnissen nicht gefoltert wird. Manchmal behaupten einige Inhaftierte auch nur, dass sie gefoltert wurden, und es stimmt gar nicht. Aber ihr Europäer glaubt das immer sofort.

ZEIT: Es steht nicht gut um die Demokratie in Ägypten. Bei den letzten Wahlen wurde sogar der Gegenkandidat von Präsident Mubarak ins Gefängnis gesteckt. Liegt hier eine Ursache von politischem Extremismus?

Sadat: Die Regierung verspricht uns, dass die nächsten Wahlen 2011 fair und gleich und von unabhängigen Richtern überwacht sein werden. Der Präsident hat sein Wort gegeben. Demokratie kommt aber nicht in einem Tag oder einem Monat, sie braucht Zeit zur Entwicklung. So war es auch in England oder Deutschland.

ZEIT: Sollte dann auch die wohl populärste Bewegung, die Muslimbrüder, an Wahlen teilnehmen dürfen?

Sadat: Ich habe davor ein wenig Angst. Wenn alles offen und fair ist und sie an die Regierung kommen, dann würde uns das um Hunderte Jahre zurückwerfen. Das ist unser großes Dilemma. Ich bin für Freiheit und Demokratie, aber gegen die Herrschaft der Muslimbrüder.

ZEIT: In den Palästinensergebieten siegten bei den Parlamentswahlen 2006 Islamisten. Sollte der Westen aufhören, Hamas zu boykottieren?

Sadat: Hamas wurde gewählt, das ist eine Tatsache. Daher muss man mit ihr verhandeln. Und vielleicht wird Hamas dann ihre radikalen Positionen ändern.