Die Landschaft ist mir unbekannt: ein Kliff, karger Boden, weiter Himmel. Neben mir läuft mein Hund Max, ein Staffordshire Terrier. Plötzlich tut sich im Boden ein tiefer Spalt auf, wir wissen, dass wir auf die andere Seite müssen. Eine Wolke erscheint, von ihr hängt eine lange Schaukel herab. Mühelos schwinge ich mich auf die Schaukel, die mich hinüberträgt. Aber Max schafft es nicht. Ohne Angst trudelt er in den Abgrund.

Ich war etwa 23 Jahre alt, als ich dies träumte, doch in dieser Szene bin ich ein 14-jähriges Mädchen. Max starb, als ich 18 war. Ich hatte damals keine Gelegenheit, mich von ihm zu verabschieden. In dieser Nacht kam er zu mir zurück. Und seitdem weiß ich, dass Träume heilen können.

Seit ich denken kann, hinterlassen Träume bei mir starke Eindrücke. Das begann, als ich drei Jahre alt war. Wir wohnten in einem Reihenhaus im Londoner Stadtteil Greenwich. Ich träumte von einem Einbrecher, der die Treppe hochkam in den ersten Stock, wo ich schlief. Mit großem Schrecken wachte ich auf und weckte die ganze Familie.

Zwei Tage später wurde ich in der Nacht wach, wie häufig als Kind, und ging zum Treppenabsatz. Auf den Stufen stand tatsächlich ein Einbrecher. Mir war nicht bewusst, dass das irgendwie nicht in Ordnung war, und ich sagte zu dem Mann "Hallo". Er sah zu mir hoch, erschrak, rannte die Treppe hinunter und floh mit seinem Kompagnon durch die Eingangstür. Und mit unserem Betamax-Videorekorder und dem Fernseher. Meine Eltern staunten und dachten, ich sei ein Freak.

Träume helfen mir oft, Dinge klarer zu sehen und Entscheidungen zu treffen. Am Morgen weiß ich plötzlich, was zu tun ist. Und dann gibt es Träume, in denen ich die Orientierung verliere.

Solch ein Traum ist mein Leben, seit ich Schauspielerin bin. Wenn es möglich ist, bereite ich mich monatelang auf meine Filmrollen vor: Wie denkt diese Figur, welche Ziele hat sie, was liest sie, wie war ihre Kindheit? Manchmal träume ich wie meine Figur. Oft kann ich nicht mehr erkennen, wo die Fiktion aufhört und wo das Leben beginnt.

Wenn ich durch London gehe und in Gegenden komme, in denen ich gedreht habe, sehe ich die Filmcharaktere überall, auf der Straße, hinter den Wänden, in den Bäumen. Hier habe ich geküsst, dort gestritten, war verzweifelt oder glücklich. Die Erlebnisse meiner Filmfiguren werden zu meinen Lebenserfahrungen.