Touristen sind es gewohnt, geschröpft zu werden. Flughafengebühren, Straßenbenutzungsgebühren, Gebühren fürs Betreten von Stränden und Parks – die öffentliche Hand kennt viele Möglichkeiten, den Reisenden zur Kasse zu bitten. Eine neue wurde soeben in Amerika entdeckt: Weltenbummler sollen künftig bei der Einreise in die Vereinigten Staaten Eintrittsgeld zahlen, 10 Dollar pro Kopf.

Just am Mittwoch vergangener Woche, als Präsident Obama in einer aufrüttelnden Rede Haushaltsdisziplin versprach, votierte der Senat mit überwältigender Mehrheit für diese neue Gebühr. Diebisch freut man sich über eine mögliche Einkommensquelle, die nicht "amerikanischer Steuerzahler" heißt. Wenn demnächst auch Repräsentantenhaus und Präsident zustimmen, was als ausgemacht gilt, wird dank ausländischer Touristen bald kräftig Geld sprudeln.

Nicht, wie man meinen könnte, um damit endlich die lahmen Grenzkontrollen flott zu machen. Nein, die Gäste sollen für PR-Aktionen löhnen. Ihr Geld kommt einer neuen Agentur zugute, die rund um den Globus die Schönheiten zwischen Miami und San Francisco anpreisen soll. Eine ziemlich verrückte Idee: Touristen zahlen für die Werbeaktionen eines Landes, das sie längst zu ihrem Reiseziel erkoren haben und bereits besuchen.

Die geplante Gebühr versteckt sich in einem Gesetz mit dem Titel Travel Promotion Act 2009. Demokraten wie Republikaner brachten es jüngst im Kongress ein, weil das Hotel- und Reisegewerbe Alarm geschlagen hatte. Ausländische Touristen blieben aus, wurde gejammert, vor allem jene mit harter Währung. Die Einnahmen der Branche seien im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel zurückgegangen.

Im vergangenen Jahr bereisten 58 Millionen Menschen die USA, doch Untersuchungen belegen, es könnten trotz Wirtschaftskrise weit mehr sein, würden die strikten Grenzkontrollen und die Angst seit den Anschlägen vom 11. September nicht viele von einem Besuch Amerikas abhalten. Man hat ausgerechnet, mit geeigneten Informations- und Werbemaßnahmen ließen sich mindestens weitere 1,6 Millionen Gäste pro Jahr ins Land locken. Amerika müsse nur wieder mehr die Werbetrommel rühren!