Unerwünschte Werbe-E-Mails – Spam genannt – sind eine Plage. Wird man ihrer je Herr werden? Immerhin, man versucht es. Spambekämpfer aus Wirtschaft, Forschung und Sicherheitsinstitutionen wie der Europäischen Netzwerksicherheitsagentur Enisa haben sich zu Beginn dieser Woche in Wiesbaden getroffen. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco lud ein zum Siebten deutschen Anti-Spam-Gipfel.

Drei Tage lang ging es um die aggressive Flut, die sich täglich aus dem Netz auf die Computer ergießt. Was diese Sendungen auch versprechen – oft sind es längere Geschlechtsteile –, ihr Ziel ist immer gleich: einen Dummen zu finden, der reagiert und den dubiosen Absendern Geld überweist. SpamCop, eine Firma mit Sitz in den USA, hat im vergangenen Jahr in ihren Postfächern über eine Milliarde Spam-Mails registriert – das sind mehr als 34 pro Sekunde.

Stand 2003 noch ein Spam-Verbot auf der Tagesordnung des Kongresses, ist dies in den meisten westlichen Staaten heute geltendes Recht. Der Versand von Werbemails bedarf der Zustimmung der Empfänger.

Als das Internet vor 15 Jahren populär wurde, haben viele Nutzer noch überall und gern ihre E-Mail-Adresse eingegeben. Das tut heute kaum noch jemand, weil man um die Erntemaschinen der Spam-Verschicker weiß, die das Netz ständig nach Daten abgrasen.

Aber die Techniken der Spammer sind raffinierter geworden. Früher kaperten sie einzelne Computer und verschickten von dort aus massenhaft Mails. Heute kapern sie Millionen Computer. Die Benutzer ahnen nichts davon: Computerviren programmieren ihren Rechner um zu einem Wirt für digitale Parasiten. Auf Zuruf aus der virtuellen Ferne werden sie aktiv und beginnen ihr Werk.

Es ist ein Wettrüsten: Internetanbieter, Telekommunikationsunternehmen und spezialisierte Firmen kämpfen gegen die Spammer dieser Welt. Deren Risiken, erwischt zu werden, sind gering.

Bei der Wiesbadener Konferenz ging es deshalb um die Frage, ob und wie man die Netzwerke der Zombiecomputer unter Kontrolle bekommen kann. Informatiker der Universität Bonn wollen mit Honeypots, Honigtöpfen, dem heimtückischsten Schadprogramm zu Leibe rücken. Der sogenannte Conficker-Wurm infizierte in den vergangenen Jahren Abertausende Computer. Er enthält viele kleine Programmbausteine, die seine Entdeckung erschweren und seine automatisierte Weiterverbreitung sicherstellen. Infizierte Computer versuchen, sich mit anderen Computern zu verbinden – und werden vom Honigtopf angelockt.