Monika Knapp, 54, hat in vielen Ländern Hilfsorganisationen gegründet. Ihr nepalesisches Projekt "Shanti Griha" hilft Jugendlichen, sich selbst zu helfen

ZEITmagazin: Sie gingen vor 30 Jahren nach Sri Lanka. Was haben Sie dort gemacht?

Monika Knapp: Ich unterhielt in meinem Wohnzimmer eine dreiklassige Schule, musste das Land aber bald verlassen. Der Mob war zu gefährlich geworden. Ich sah die Leichen liegen. Wir kamen gerade noch raus.

ZEITmagazin: Sie hatten keinen Schrecken bei dem Anblick des Todes?

Monika Knapp: Diesen Schrecken kenne ich nicht. Die Toten sehe ich eher als von Gott Eingeladene.

ZEITmagazin: Sie folgten Ihrem Mann auch in den Niger.

Monika Knapp: Ich wusste nicht, wo das Land lag. Aber ich wollte den Kindern helfen, habe mich für Heilpflanzen interessiert und wohnte mit Mann und zwei Kindern in einer Wüstenstadt. Es gab keine Schule dort, also habe ich eine gegründet.

ZEITmagazin: Die Erwachsenen gingen leer aus?

Monika Knapp: Nein. Ich habe die Tuareg versammelt, habe sie aufs Studium vorbereitet und einen Garten angelegt. Das Gemüse haben die Studenten in der Stadt verkauft und vom Erlös studiert. Einmal suchte die Armee einen Verdächtigen bei uns. Sie holten mich aus dem Haus, schlugen mich zusammen. Nach vier Tagen wurde ich gefunden, angekettet an einen unbekannten Toten. Man dachte wohl, ich sei tot.

ZEITmagazin: Sie sind trotzdem im Niger geblieben?

Monika Knapp: Ja, und ich habe die Rebellen im Kampf um die Autonomie der Tuareg unterstützt. Sie hatten ja kaum genug zum Überleben. Ich habe ihnen Medikamente besorgt, während die Minister die Hilfsgüter einsteckten.

ZEITmagazin: Warum sind Sie nicht geflohen?

Monika Knapp: Schließlich bin ich auch in Berlin mal von Skinheads angegriffen worden, weil ich mit einem Afrikaner aß, sie nannten mich Niggerflittchen.

ZEITmagazin: Stattdessen gingen Sie mit den Tuareg nach Mali.