"Viele Schulleiter hadern mit ihrer neuen Rolle", sagt der Bildungsforscher Stephan Huber. Sie wollten lieber Lehrer sein als Manager. Fragt man in verschiedenen Kultusministerien nach dem Prozentsatz "guter Schuldirektoren", so erhält man überraschend ähnliche Antworten: "Von zehn Schulleitern sind zwei gut, sieben verwalten ihr Amt, einer müsste eigentlich sofort gehen." Eine Befragung des Schulleiterverbandes in Baden-Württemberg zeigte, dass es jedem zweiten Schulvorsteher an einem "professionellen Berufsverständnis mangelt". Für den Bildungsforscher Huber ist das keine unrealistische Zahl. Verlässliche Zahlen zu diesem Defizit an der Spitze gibt es allerdings nicht.

Nun naht an vielen Schulen ein Generationenwechsel. In den kommenden fünf Jahren gehen je nach Bundesland zwischen 20 und 50 Prozent der Schulleiter in Pension. Besonders dramatisch ist es in Nordrhein-Westfalen, wo bis 2016 rund zwei Drittel der Grundschulrektoren in Ruhestand gehen.

Ob eine geeignete Person an die Spitze gelangt, ist eine Schicksalsfrage. Dennoch glaubte man lange, Direktoren hätten keine besondere Vorbereitung nötig. Chefposten wurden schlicht nach pädagogischer Begabung und Dienstalter verteilt. Ein Crashkurs in Beamtenrecht blieb die einzige Schulung. Als ob ein Lehrer, der es lange genug in einer Schule ausgehalten hat, schon wüsste, wie man sie managt! Mittlerweile bieten alle Bundesländer Fortbildungen in Unterrichtsbeobachtung, Personalführung oder Katastrophenmanagement (Stichwort: Amokläufe) an. Die Lehrgänge dauern von zwei Wochen im Saarland bis zu sechs in Bayern. Berlin stellt neuen Schulleitern von 2009 an erfahrene Kollegen als Coach an die Seite. Thüringen qualifiziert seine "Schulmanager" in einem mehrstufigen Verfahren. Meist aber ist die Fortbildung freiwillig.

"Leider gelingt es nur selten, die neu ernannten Schulleiter(innen) frühzeitig auf die Amtsübernahme vorzubereiten", heißt es etwa im saarländischen Kultusministerium. Zwar waren die meisten Schulleiter vor ihrem Amtsantritt schon Stellvertreter oder Stufenleiter. Doch erhalten die Neuen ihre Fortbildung oft erst, nachdem sie ernannt sind. Berufsbegleitend an der Universität können sich Lehrer, die statt einer Klasse eine ganze Schule leiten wollen, in Kaiserslautern, Potsdam oder Kiel ausbilden lassen. Zum "Schulmanager", freiwillig. Eine formalisierte Ausbildung wie im Ausland gibt es dagegen nirgendwo. In Großbritannien etwa müssen alle Anwärter einen Jahreskurs am National College for Leadership belegen.

Einige Bundesländer suchen nun systematisch nach Talenten: Sie laden potenzielle Kandidaten für höhere Aufgaben zu Orientierungsseminaren oder Assessment-Centern ein. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft setzt noch früher an: In ihrem Studienkolleg bereitet sie schon Lehramtsstudenten auf spätere pädagogische Führungsaufgaben vor.