Die Autonation ist elektrisiert. Vom Altgrünen Joschka Fischer über Kanzlerin Angela Merkel bis zu den Energieriesen E.on, RWE oder Vattenfall – sie alle beschwören in diesen Tagen die PS-Branche, in die Elektromobilität zu investieren. Es gehe um nicht weniger als die Zukunft dieser deutschen Schlüsselindustrie. Und die Bosse von Audi, BMW, Mercedes, VW, Opel und Co. tun auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt schon so, als sei alles gerichtet: Da zeigen sie Prototypen von E-Autos, die in weniger als fünf Sekunden von null auf hundert Kilometer in der Stunde beschleunigen und bis zu Tempo 250 in der Spitze machen.

Können wir also demnächst alle einfach vom Benziner oder Diesel auf das E-Mobil umsteigen und uns dank zero emission als Umweltschützer fühlen? Können wir uns wie bislang einfach aus den Regalen der deutschen Vorzeigemarken bedienen?

Das wird so einfach nicht funktionieren.

Wer den auf der IAA versammelten Experten aufmerksam zuhört, dem wird schnell klar, dass Industrie und Autofahrer umdenken müssen, wenn die Autonation Deutschland bei der E-Mobilität wirklich vorn liegen will. Es genügt nicht, einfach Benzin gegen Strom zu tauschen, und alles läuft wie gehabt.

Heute sind wir das Allround-Auto gewohnt – es taugt für den Stadtverkehr genauso wie für den Besuch bei der Oma auf dem Land oder für die große Urlaubsfahrt. Diese Rolle aber kann ein E-Auto in absehbarer Zeit nicht erfüllen. Selbst die gepriesenen neuen Lithium-Ionen-Batterien reichen in der Regel nur für Fahrten zwischen 60 und 160 Kilometern. Die Energieladung eines Akkupacks von 180 Kilogramm entspricht etwa der von vier Litern Benzin. Und wer Klimaanlage oder Heizung einschaltet, kann zusehen, wie sich der Ladestandsanzeiger behände dem roten Bereich nähert.

Das alles freilich spricht nicht per se gegen das E-Auto. Dem strombetriebenen Fahren gehört die fernere Zukunft. Als Stadtauto werden die batteriebetriebenen Fahrzeuge schon in wenigen Jahren zum Alltag gehören. Auch für die Masse der Pendler, die nicht mehr als 50 Kilometer am Tag fahren, wird es zur interessanten Alternative. Wer sich dafür entscheidet, muss in den nächsten Jahren allerdings einen deutlich höheren Anschaffungspreis in Kauf nehmen, sofern der Staat nicht mit üppigen Prämien nachhilft. Und er muss seinen mobilen Lebensstil umstellen. Für den Kurztrip aufs Land oder den Urlaub kommt dann eben die Bahn oder das Leihauto mit effizientem Diesel zum Einsatz. Für viele, insbesondere jüngere, gut verdienende Städter ist das kein Problem. Sie entscheiden sich ohnehin immer häufiger für diese neue Art von Mobilitätsmix – auch ohne E-Auto.