Der deutsche Konsument ist einer von Welt, er nutzt die Vorteile der Globalisierung und kauft ein, was ihm gefällt und preiswert erscheint. Der deutsche Sparer ist dagegen ein Provinzler, er legt sein Geld am allerliebsten im eigenen Land an. Vernünftig ist das nicht.

82 Prozent der Geldanleger haben ihr Kapital derzeit ganz oder überwiegend in Deutschland investiert, ergab eine Studie, die das Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag der britischen Fonds- und Vermögensverwaltungsfirma Schroders unternahm. Nur drei von hundert Kapitalanlegern haben Geld in China investiert, nur zwei in Indien, nur einer in Lateinamerika.

Als die Leute gefragt wurden, welche Länder ihrer Meinung nach die ökonomischen Supermächte von morgen seien, nannten sie China (42 Prozent), Indien (12 Prozent), die USA (8 Prozent) und Russland (7 Prozent). Zwar hält es eine Mehrheit von 64 Prozent der Anleger für sinnvoll, in diesem Jahr oder in einem der nächsten Jahre Kapital in einer der kommenden Wirtschaftsmächte anzulegen, während das für 36 Prozent grundsätzlich nicht infrage kommt. Das Verhalten ändert sich aber aller Erfahrung nach nur geringfügig. "Die Leute wissen, dass die Musik auf einem anderen Parkett gespielt wird, aber sie tanzen nicht mit", sagt Achim Küssner, Deutschland-Chef von Schroders. Die gleiche Befragung war im Mai 2008 schon einmal durchgeführt worden. "Obwohl die Studienteilnehmer erkannt haben, dass die Chancen außerhalb Deutschlands liegen, haben sie ihr Investmentverhalten nicht angepasst."

Es hätte sich gelohnt, wie ein Blick auf die Entwicklung der verschiedenen Aktienmärkte zeigt. Zwischen August 2008 und August 2009 zum Beispiel verloren deutsche Papiere 25 Prozent, während chinesische im Schnitt 4 Prozent zulegten und indische 5 Prozent. Ein deutscher Anleger, der sein Geld mustergültig, nämlich weltweit gestreut hatte, lag nach einem Jahr zwar wegen der Krise auch im Minus, sein Verlust war mit knapp 16 Prozent (gemessen am Aktienindex MSCI World) aber erheblich geringer, als wenn er alles in heimische Aktien gesteckt hätte. Wer nicht unnötig riskant investieren will, muss seine Anlagen aufteilen und nach Möglichkeit auch in Märkte investieren, die sich unabhängig vom heimischen Markt entwickeln.