DIE ZEIT: Vergangene Woche haben internationale Forscherteams zwei Funde vorgestellt: eine Miniausgabe des T. Rex aus China und einen Pflanzenfresser aus Niger. Ausgegraben wurden Skelette – auf den Bildern aber sind lebensechte Tiere zu sehen. Wie sicher ist es, dass die Dinosaurier so ausgesehen haben?

Ben Pabst: Man weiß mittlerweile viel über das Aussehen der Dinosaurier. Neben den Knochen gibt es immer wieder erhaltene Hautstücke, von denen wir auf die Hautstruktur der Tiere schließen können. Außerdem existiert in Nordchina eine berühmte Fundstätte, wo Dinosaurier mit Federn geborgen wurden. Seitdem weiß man, dass besonders die kleinen Räuber gefiedert waren.

ZEIT: Gefiedert? Nie gesehen.

Pabst: Das vergessen viele Künstler auf ihren Bildern noch, weil sie veraltete Vorlagen abzeichnen. Am meisten spekulieren sie aber dort, wo sie den Dinosauriern Farben verpassen.

ZEIT: Das heißt, die beiden Saurier hätten theoretisch auch lila sein können?

Pabst: Ja, oder pink. Man überlegt sich aber immer, was am plausibelsten ist. Rekonstruiert man ein kleines, schutzloses Tier, ergibt es eher einen Sinn, wenn es Tarnfarben hat. Außerdem gilt bei Dinosauriern, was fast auf das gesamte Tierreich zutrifft: Die Männchen waren vermutlich häufiger farbig und schön gezeichnet, während die Weibchen eher getarnt waren, um in Sicherheit zu brüten. Das ist wie bei Vögeln, mit denen man Dinosaurier gut vergleichen kann. 

ZEIT: Wieso mit Vögeln?

Pabst: Gucken Sie sich einmal den Fuß eines Huhns an. Der ist zwar ein paar Nummern kleiner, aber praktisch identisch mit dem eines T. Rex. Auch Schnabel und Augenpartie sehen dinosaurierhaft aus. Von den Vögeln kann man sich vieles abgucken, was man sonst frei rekonstruieren müsste. Man schaut auf die Schuppen und überträgt es auf sein Modell. 

ZEIT: Was tun Sie, wenn nur einzelne Knochen des Dinosauriers erhalten sind?

Pabst: Hat man zum Beispiel nur die Klauen, nimmt man sich andere Dinosaurier als Vorbild, von denen man denkt, dass sie Verwandte waren. Aber ob sie dann tatsächlich so ausgesehen haben – das ist reine Glückssache. Der berühmte Brontosaurus hat auf Zeichnungen über hundert Jahre lang einen falschen Kopf getragen. Nur weil man in der Gegend einen großen und einen kleinen Kopf gefunden hatte, dachte man, zu einem großen Skelett gehöre ein großer Kopf. Schließlich kam ein Brontosaurus am Stück zum Vorschein. Da war alles klar. 

ZEIT: Also könnten sich auch heutige Rekonstruktionen als Irrtum herausstellen?

Pabst: Im Einzelfall ja. Scherzhaft kann man sagen: Die Wissenschaft ist auf dem momentanen Stand des Irrtums. Wir müssen immer damit rechnen, dass durch neue Methoden völlig andere Erkenntnisse gewonnen werden. Vielleicht erfahren wir irgendwann etwas über die Farben der Dinosaurier. Geborgene Federn sind meist wie verkohlt – sie enthalten häufig organische Materialien. Mit einer guten chemischen Analyse findet vielleicht jemand Farbmoleküle. Die Chance ist zwar gering, aber so bleibt die Sache spannend.

Die Fragen stellte Irene Berres