Nach diesem Wahlwochenende fängt die Ehrlichkeit an. Dann können die Politiker frei reden über die Löcher in den Staatskassen, über steigende Sozialkosten und Wachstumslücken. Und der Blick ist frei auf Kopenhagen, wo sich die Welt im Dezember zum Klimagipfel einfinden will, um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Regime zu verabreden.

Die Veranstaltung löst schon jetzt vielfältige Aktivitäten aus. Mehr als 600 Konzerne forderten diese Woche die Staatengemeinschaft auf, ein "ehrgeiziges, stabiles und faires globales Abkommen" gegen die Erderwärmung zu erzielen. Der weltgrößte Verbund der Fluggesellschaften sucht einen Weg, um die Emissionen der Düsentriebler bis 2050 auf die Hälfte zu verringern – auch deswegen, weil Europa die Airlines bald in ein strenges Regiment einbinden will. Und in den USA verdonnert ein Gericht renitente Energieversorger in mehreren Bundesstaaten, sich Klimaschutzauflagen zu unterwerfen.

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So unterschiedliche Motive da walten, die Welt wacht vor Kopenhagen sichtbar auf. Ausgerechnet jetzt kommen merkwürdige Signale aus dem Öko-Vorzeigeland Deutschland. Man echauffiert sich über amerikanische Klima-Unterhändler, die nicht so viel halten wollen, wie ihr Präsident versprach. Und zusammen mit Frankreich droht Deutschland der Welt, Klimazölle zu erheben, wenn Kopenhagen scheitert.

Das wäre nun in der Tat "Öko-Imperialismus", wie ein deutscher Umweltstaatssekretär vor Kurzem erklärte. Die Drohung könnte das Verhandlungsklima vergiften und neben den Amerikanern vor allem die Asiaten bei den so sensiblen Verhandlungen gegen Europa aufbringen.