Kiel

Seinen Lieblingswitz wolle er nicht erzählen, den könne man nicht senden, sagt Wolfgang Kubicki, als ihn ein Radioreporter danach fragt. Sein zweitliebster Witz geht so:

Eine Blondine kommt in einen Flaggenladen und sagt: Ich möchte eine blaue Deutschlandfahne kaufen. – Aber junge Frau, antwortet ihr der Flaggenverkäufer, die Deutschlandfahne ist schwarz-rot-gold. – Darauf die Blondine: Dann nehme ich sie in Rot.

Der Radioreporter hat auch Ralf Stegner gefragt. Der erzählt diesen Witz:

Ein Ehepaar kommt zum Anwalt und möchte sich scheiden lassen. Sie ist 85 Jahre alt, er 86. Der Anwalt ist überrascht und redet ihnen zu: Sie sind doch seit mehr als 50 Jahren zusammen. Warum wollen Sie sich jetzt noch scheiden lassen? Der Mann antwortet ihm: Wir wollten warten, bis die Kinder tot sind.

In Schleswig-Holstein wird am kommenden Sonntag gewählt, und an der Geschichte mit den Witzen sind zwei Dinge bemerkenswert. Zum einen ist der Witz des SPD-Spitzenkandidaten Stegner deutlich lustiger als der von Wolfgang Kubicki. Zum anderen erzählt der FDP-Mann Kubicki die Geschichte von dem Radioreporter, um seine Abneigung gegenüber Stegner zu illustrieren: Seht her, selbst seine Witze sind böse.

Man muss sich den Wahlkampf in Schleswig-Holstein wie eine Fahrt mit der Geisterbahn vorstellen: schaurig, komisch, finster. Und hinter der Ecke wartet ein Gespenst.

Erste Station, Kulturzentrum Rendsburg. Ein Tresen, ein paar Barhocker, drei Ledersessel. Ein Abend mit Ralf Stegner. Und seiner Frau. Der Kandidat hält keine Rede, er lässt sich interviewen und erzählt Anekdoten. Wie er 1990 als Pressesprecher im Kieler Sozialministerium angefangen hat. Dass seine drei Söhne zu Hause ständig das Telefon blockieren. Warum er lieber Bratkartoffeln isst als Shrimps: "Ich ziehe das Bodenständige dem Extravaganten vor." Seine Frau assistiert: "Guten Argumenten ist er immer aufgeschlossen."

"Was soll die auch anderes sagen, als dass er ein toller Typ ist", höhnt Wolfgang Kubicki.