Ein neuer Anstrich – und schon hat sich die Energiebilanz des Hauses "um bis zu 30 Prozent" verbessert. Ach, wäre Wärmedämmung doch so einfach wie in der Reklame! Seit über zehn Jahren findet der Farbenhersteller ThermoShield gutgläubige Hausbesitzer, die sich eine Großbaustelle an der Fassade ersparen wollen. "Leider ist das Quatsch", sagt Nabil Fouad, Leiter des Instituts für Bauphysik an der Uni Hannover. Er hat die Energiesparfarbe ThermoSan getestet, mit klarem Ergebnis: "Einen Unterschied zu normaler Farbe konnten wir nicht finden."

Wer sein Haus fachgerecht wärmedämmen und die Heizkosten nachhaltig senken will, muss gut informiert sein. Soll die Dämmschicht von außen oder von innen auf die Wand kommen? Ist Mineralwolle das beste Material oder eher Isoschaum, Polystyrol, Schaumglas, Polyurethan oder Zellulose? Handwerker preisen Dutzende Dämmstoffe mit einer verwirrenden Vielfalt von Zertifikaten, K-, U- oder Lambda-Werten an, samt einer ähnlich großen Vielzahl von Verarbeitungswegen. Gleichzeitig kursieren Schreckensberichte über Schimmelbildung, Risse im Mauerwerk oder abplatzenden Putz als Folge der Isolation.

"Den idealen Dämmstoff, der gesundheitsverträglich, preisgünstig, ressourcenschonend, feuerresistent und überall einsetzbar ist, gibt es nicht", sagt der Münchner Baubiologe Herbert Danner. Im Auftrag der Stadt München hat er 23 marktübliche Dämmstoffe verglichen und neben ihren Eigenschaften wie Wärmeleitfähigkeit oder Brandschutzklasse auch ihre Ökobilanz berechnet. Einen klaren Sieger fand er nicht, nur leichte Vorteile für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Holz oder Schafwolle. Die haben allerdings erst einen Marktanteil von fünf Prozent.

Auch für die Frage, wo isoliert werden soll, gibt es keine Patentlösung. Wärmetechnisch optimal ist eine 15 Zentimeter dicke Fassadendämmung. Sie ist jedoch mit 80 bis 100 Euro pro Quadratmeter am teuersten. Und das Aussehen des Hauses leidet meist: Vorsprünge werden kürzer, Fensteröffnungen tiefer. Zierstuck und Klinker verschwinden hinter den Dämmplatten. Bei denkmalgeschützten Fassaden ist das sogar verboten.

Als Alternative bietet sich die Dämmung der Außenwände auf ihrer Innenseite an. Sie kostet nur halb so viel wie eine Fassadendämmung, kann in der Regel aber auch nur halb so dick aufgetragen werden. Sonst wird die Wand zu kalt, von außen eindringende Feuchtigkeit kann im Winter gefrieren und auf diese Weise Risse verursachen. Außerdem geht etwas Wohnfläche verloren. Die Fenster rücken in tiefe Nischen, und an den Rändern der Dämmung entstehen hässliche Vorsprünge, die notwendig sind, um der Schimmelbildung in den Ecken vorzubeugen.

Für weitere Artikel der Serie klicken Sie auf das Bild

Frei von solch unangenehmen Nebeneffekten ist die sogenannte Kerndämmung, obendrein ist sie auch am billigsten (rund 25 Euro pro Quadratmeter). Voraussetzung ist jedoch ein "zweischaliges" Mauerwerk, das aus einer inneren und einer äußeren Wand besteht und vor allem bei norddeutschen Altbauten üblich ist. Der rund sechs Zentimeter breite Zwischenraum im Inneren der Mauer wird über kleine Bohrungen mit wärmeisolierendem Granulat aufgefüllt. Das erfolgt an einem Tag und ist danach unsichtbar.

 

Was Häuser warm hält - die drei grundlegenden Isolierverfahren: 1. Innendämmung, nicht besonders wirksam. 2. Kerndämmung, unauffällig und billig, geht nur in zweischaligem Mauerwerk. 3. Außendämmung, sehr wirksam und teuer. © ZEIT Grafik

Welche Dämmung optimal ist, hängt auch vom Verhalten der Hausbewohner ab. Wie oft und wie nutzen sie die Räume mit Außenwänden? Wie lüften sie – oder kann das ein automatisches Lüftungssystem übernehmen? Frösteln sie schon bei 22 Grad, oder macht es ihnen nichts aus, im etwas kühleren Wohnzimmer einen Pullover überzuziehen?

Der Oldenburger Wirtschaftswissenschaftler Nico Paech hat untersucht, warum Altbauten häufig ungedämmt bleiben, obwohl sich die Investition schon in wenigen Jahren amortisieren würde. "Wir haben zu viele Informationen – und machen am Ende gar nichts", sagt er. Je mehr Erfahrungsberichte, Broschüren und Förderprogramme auf die Hausbesitzer zukämen, desto größer ihre Verunsicherung. Helfen kann da eine unabhängige Energieberatung, wie sie beispielsweise Elke Colberg anbietet.

Die Bremer Bauingenieurin prüft zunächst die Unterlagen über Heizungssystem, Energieverbrauch und Bauzustand. "Dann brauche ich rund zwei Stunden, um Haus und Bewohner kennenzulernen", sagt sie. Am Ende erstellt sie einen sechzigseitigen Bericht mit mehreren Varianten für Energiesparmaßnahmen und Informationen über öffentliche Förderprogramme. Die Expertise kostet 800 Euro, knapp die Hälfte davon übernimmt der Staat. Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hat 22.000 derartige Beratungen 2008 gefördert, in diesem Jahr dürften es doppelt so viele werden.

Ob das Geld gut angelegt war, ist kaum zu klären. Das Bafa listet zwar knapp zehntausend Energieberater auf – aber kontrolliert nicht die Qualität ihrer Arbeit. Auch die Deutsche Energie-Agentur Dena, der Bundesverband GIH (Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker) und lokale Architektenkammern bieten lange Listen mit Energieberatern an. Deren Berufsbezeichnung ist leider nicht geschützt, prinzipiell darf sich jeder so nennen. "Kunden können sich am ehesten auf die Listen regionaler Beratungszentren und Netzwerke verlassen", rät Elke Colberg. Wenn jemand schlampig arbeite, spreche sich das schnell herum.

Ähnlich heikel ist die Suche nach zuverlässigen Handwerkern. Ihr Können ist entscheidend für den Erfolg einer Wärmedämmung. "Die Baustoffüberwachung funktioniert in Deutschland so gut, dass man sich auf die Qualität der Dämmmaterialien verlassen kann", sagt der Bauphysiker Jürgen Veit vom Ökozentrum NRW. "Probleme gibt es häufig mit der korrekten Verarbeitung." Nicht nur bei unzuverlässigen Handwerkern: "Vor allem bei Arbeiten in Eigenregie wird die Komplexität einer Wärmedämmung, die Jahrzehnte halten soll, häufig stark unterschätzt", hat Veit festgestellt.

Trotz aller Vielfalt an Dämmstoffen und Isolationsverfahren – nicht für jedes Haus ist etwas Passendes dabei. Schnellbauten der sechziger Jahre können die Energieberaterin Colberg ratlos machen. "Manchem Hausbesitzer muss man einfach sagen: Ein Abriss wäre die beste Lösung."