Ich habe in meinem Leben nur drei Schallplatten besessen: "Schneewittchen", " Heidi" und "Hui Buh, das Schlossgespenst". Wenn ich sie hören wollte, setzte mich meine Mutter auf ihr braunes Wollsofa und warnte mich, den Plattenspieler ja nicht anzufassen. Wenig später neigte sich das Vinyl-Zeitalter dem Ende zu, und mir leuchtete sofort ein, warum: Kassetten und CDs waren robuster und praktischer. Man konnte selbst Musik mixen und sie dann heimlich im Religionsunterricht hören. Warum manche Leute trotzdem noch Platten kauften und das sogar kultig fanden, habe ich nie kapiert.

Ausprobiert – jede Woche eine technische Errungenschaft im Alltagstest © Getty Images

Vielleicht bewegt ja dieser neue USB-Plattenspieler ein paar Vinyl-Veteranen dazu, endlich ihre Sammlung einzumotten: Angeblich kann das Gerät "Schätze retten", indem es sie als iPod-taugliche MP3s speichert. Ein Test mit der "Heidi"-Platte verlief ganz gut: Der Computer erkannte den Plattenspieler anstandslos, die Software Audacity war fix installiert. Und 45 Minuten später brummte die vertraute Stimme des Alm-Öhi aus dem Lautsprecher.

Eine eigens auf dem Flohmarkt gekaufte Wumms-Platte von Dr. Alban zeigte dann aber die Schwächen: Wie das restliche Gerät ist auch der Tonarm aus Plastik und daher so leicht, dass er beim ersten Kratzer aus der Spur springt. Zudem klingt die Musikdatei blechern. Man will sich gar nicht vorstellen, was der Plattenspieler aus einer gediegenen Jazz-LP machen würde. Aber vielleicht gehören ja ohnehin nur die zur Zielgruppe, die sich nicht von ihren Märchenplatten trennen konnten.