Ein Porsche ist dieser Porsche nicht – also eine vierrädrige Flunder, die in der Kurve klebt und im Duell um die Poleposition auch einen Testarossa nerven kann. Der Cayenne Diesel schaukelt, ob nun das Fahrwerk auf "Sport", "Normal" oder "Komfort" getrimmt wird, und ab Tempo 160 ist die Beschleunigung nicht gerade Carrera-mäßig. Dafür ist der Ein- und Ausstieg beim Cayenne D so komfortabel wie bei… jedem SUV. Das ist gut für enge Röcke und arthritische Knie, aber ein richtiger Porsche-Mensch möchte für 80 Riesen (Testversion) gern etwas anders aussehen als im Q7 oder X5. Ein Trost: Südlich der Alpen wird dem Fahrer trotzdem der Anblick erhobener Daumen zuteil.

Ein weiterer Pluspunkt: Dieser D-Porsche verbraucht auch bei schärferer Fahrt nicht mehr als 10,5 Liter, und das bei einem Lebendgewicht von knapp 2,5 Tonnen. Außerdem sitzt es sich erhoben und erhaben, weshalb man den Fans huldvoll zurückwinken kann. Interessant wird’s im Gelände. Dreht dieses oder jenes Rad durch, greift man zum hochintelligenten Programmhebel, der notfalls nicht nur quer, sondern auch längs das Differenzial sperrt. Außerdem lässt sich das ganze Gefährt beim Überwinden reißender Bäche und abscheulicher Felsen einfach anheben. Fahrer wie Beifahrer können sich dabei an gewaltigen Bügeln an der Mittelkonsole festkrallen. Sehr beruhigend.

Grundsätzlich aber ist dieser Porsche ein Reisewagen, und zwar von der feinsten Art. Er schnurrt so flott dahin, dass man die 800 Kilometer von Umbrien bis Salzburg (auf der holprigen E45 und der Tauern-Staubahn) so frisch übersteht, dass man hinterher noch Così fan tutte gucken kann. Der Tank fasst einen Hektoliter, fast hätte eine einzige Füllung gereicht. Freilich ist das Ding etwas breit geraten, weshalb man an der Mautstelle besser die Wohnwagenspur nutzt (wo die Holländer stehen). Oder den Parkassistenten entmachtet, der schon piepst, wenn die Alpen näher kommen. Die älteren Autostrade müssen für den Cinquecento gebaut worden sein.

Ist dieser Cayenne ein Schaf im Schafspelz? Das wäre ein unfaires Urteil. Er ist doch eher wie ein Bär, der ganz bequem aussieht, aber bekanntlich zu den schnellsten Rennern diesseits von Raubkatzen und Gazellen gehört. Schließlich zeugen ein Drehmoment von 550 Newtonmetern und der 8,3-Sekunden-Sprint auf 100 km/h nicht von Muskelschwund. Dieser Diesel dieselt nicht.

Christine Brinck ist ZEIT-Autorin, Josef Joffe ist ZEIT-Herausgeber