Studienort aussuchen

Die Mediziner wollen nach Heidelberg, die Kommunikationswissenschaftler nach München, und alle wollen nach Berlin. "Die Berliner Hochschulen hatten dieses Jahr so viele Bewerbungen wie noch nie zuvor", berichtet Dagmar Falk, Abiturientenberaterin der Arbeitsagentur. Selbst wenn sie keinen Platz bekommen, bleiben die Studenten lieber in Berlin wohnen und pendeln täglich an die Uni in Frankfurt an der Oder.

Die Rechnung ist einfach: Je beliebter eine Stadt, desto mehr Konkurrenz. "Wer nicht ortsgebunden ist, hat bessere Chancen", sagt Falk. Wem also ein zeitnaher Studienbeginn wichtiger ist als der Coolness-Faktor des Studienorts, sollte sich nach Städten umschauen, auf die nicht jeder kommt. In Ilmenau zum Beispiel gibt es einen Studiengang in Medienwissenschaften, der im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in fast allen Bereichen besser abgeschnitten hat als sein Münchner Pendant. Dort haben sich zum Wintersemester 2008/09 fast 2000 Abiturienten auf 110 Plätze beworben – der NC liegt bei 1,7, die Wartezeit bei zehn Semestern. In Ilmenau beträgt die Wartezeit nur drei Semester, und mit einem Schnitt von 2,0 ist man auf Anhieb dabei.

"Man muss sich umschauen. Je besser ich weiß, wie der Markt ausschaut, desto besser kann ich mich bei der Studienplatzsuche orientieren", sagt Franz Muschol, Leiter der Studienberatung der Uni München. Gerade in Ostdeutschland sind die Bewerberzahlen trotz sehr guter Studienbedingungen oft niedrig, weil sich bei westdeutschen Schulabgängern hartnäckig Vorurteile halten. In Cottbus zum Beispiel ist sogar Architektur zulassungsfrei.