Wenn im Kino das Licht ausgeht und die ersten Bilder über die Leinwand flackern, ist alles vergessen: die endlosen Drehbuchdiskussionen, das Frieren am Set, die durchwachten Nächte im Schnittraum, das ewige Chili con Carne beim Catering. Wenn die reale Welt in der Dunkelheit versinkt und die eigene Vision in 24 Bildern pro Sekunde sichtbar wird, dann ist der seltene Moment gekommen, in dem Filmstudenten einmal nicht das Gefühl haben, völlig verrückt zu sein – weil sie sich freiwillig den Stress antun, der sich "Filmemachen" nennt.

Tatsächlich gleicht die Arbeit an einem Film häufig einem Ausflug in ein Krisengebiet, bei dem man nicht weiß, ob man heil wieder herauskommt. Insofern haben die Studenten der HFF Glück, dass ihre Ausbildungsstätte in der Marlene-Dietrich-Allee sie auf Schritt und Tritt an die Liebe zum Kino erinnert, auch wenn sie mal wieder am langwierigen Produktionsprozess verzweifeln.

Die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg hat nicht nur einen langen Namen, sondern auch eine lange Tradition. Die älteste Filmschule Deutschlands liegt am Rand der "Medienstadt Babelsberg", direkt neben den Babelsberg-Filmstudios; fast 100 Jahre deutscher Filmgeschichte umwehen diesen Ort. Metropolis wurde hier gedreht, Der Blaue Engel und Die Mörder sind unter uns, später dann Sonnenallee und internationale Blockbuster wie Operation Walküre oder Der Vorleser. Erst kam die Ufa, dann die Defa, dann wieder die Ufa – das Gelände hat viele Regime und ihre Filme kommen und gehen sehen. An diesem Ort findet Kino nicht einfach nur statt. Dieser Ort hat das Kino erst hervorgebracht.

Von starrer Ehrfurcht vor so viel geballter Leinwandkunst ist bei den etwas mehr als 500 eingeschriebenen HFF-Studenten allerdings wenig zu spüren. Ob sie nun Regie, Kamera, Drehbuch oder Animation studieren: Jeder, der hierher kommt, hat erst mal seinen eigenen Film im Kopf. Das muss auch so sein, denn beim Filmemachen zählt nicht nur Kreativität, sondern vor allem Durchsetzungsvermögen. "Man muss für seine Ideen immer kämpfen", sagt Christian Klandt, der an der HFF im achten Semester Regie studiert. "Im Prinzip muss man mit 300 Prozent anfangen, da es von der ersten Drehbuchfassung bis zum Kinostart ja ein paar Jahre dauern kann. Die eigene Motivation muss schon groß sein, schließlich soll sie auch noch für das ganze Team reichen." Auf halber Strecke schlapp zu machen ist tödlich; das kostet nicht nur eine Menge Geld, sondern auch die Nerven der vielen Menschen, die an dem Projekt beteiligt sind. Allzu groß darf der eigene Egoismus dann eben doch nicht ausgeprägt sein: Film ist eine Kunstform, die nur im Team entstehen kann. Ein Spagat, den angehende Regisseure erst einmal meistern müssen.

An der HFF Potsdam werden zwar schon "richtige" Kurz- und Langfilme produziert, aber das Studium ist ein gespanntes Sicherheitsnetz unter dem Trapez des freien Marktes. Die Projekte, die hier entstehen, müssen weder ihr (in weiten Teilen von der Uni bezahltes) Budget wieder einspielen noch sich einem Quotendruck beugen. Den Studenten bleibt viel Raum für Experimente – um einen eigenen künstlerischen Ausdruck zu finden und um festzustellen, ob sie überhaupt etwas zu erzählen haben, das auch andere Menschen interessiert. "Wo kann man schon so erfolgreich scheitern wie an der Filmhochschule?", fragt Christian Klandt. "Draußen in der Wirtschaft darf man sich jedenfalls keine großen Fehler erlauben."

Auch wenn es jedes Jahr immer nur wenige Bewerber durch das mehrstufige Auswahlverfahren der künstlerischen Eignungsprüfung bis in die elitären Babelsberger Hallen schaffen, ist die Ausbildung kein Garant für einen späteren Arbeitsplatz. Dafür tut die "üppige Spielwiese" HFF aber alles, um ihrem Mediennachwuchs wenigstens das nötige Rüstzeug mitzugeben. Schnittplätze, Filmtechnik, digitale Systeme: Technisch ist die Uni auf dem neusten Stand, was fehlt, gibt es nebenan beim freundlichen Produktionsriesen Studio Babelsberg. Seit neun Jahren ist die Hochschule auch in einem eigens für sie entworfenen, schwungvoll schiefen Glaskasten mit viel hellem Holz, Stahl und unverputztem Beton untergebracht, der alle Anforderungen eines modernen Medienbetriebs erfüllt. Das unterscheidet die HFF von anderen deutschen Filmschulen, die zum Beispiel in einer alten Waffelfabrik (Filmakademie Baden-Württemberg) oder einer ehemaligen Geburtsklinik (Hamburg Media School) residieren.