DIE ZEIT: Unterrichten Sie Kinder?

Karin Schmidt-Ruhland: Nein. Um Spiel- und Lernmitteldesign zu studieren, reicht es nicht, zu sagen: "Ich spiele gern." Wir "basteln" auch nicht. Wir gestalten. Und zwar nicht für uns selbst, sondern für andere. Vor jedem Entwurf steht die Beobachtung: Was braucht der Benutzer? Ein Designer ist ein Problemlöser.

ZEIT: Welche Fähigkeiten muss also ein künftiger Spielmitteldesigner mitbringen?

Schmidt-Ruhland: Zum einen Kreativität. Je individueller eine Bewerbungsmappe ist, desto besser. Sie gibt Auskunft über den Ideenreichtum des Studenten und über seine Persönlichkeit. Naturstudien und Aktzeichnungen sind zwar gefragt, wir legen aber auch Wert auf handwerkliche Fertigkeiten. Jeder Student muss seine Modelle und Prototypen selbst herstellen. Voraussetzung ist daher mindestens ein halbjähriges handwerkliches Praktikum. Und schließlich ganz wichtig: Ein Designer muss sich in die Spielenden hineinversetzen können.

ZEIT: Warum ist das wichtig?

Schmidt-Ruhland: Es gibt jede Menge schlechter Produkte. Spiele beispielsweise, die das Rollenspiel fördern sollen, dem Kind aber eine Fantasiewelt vorsetzen, die es selbst nicht mehr erfinden kann. Wir dagegen versuchen Spielzeuge zu entwickeln, die reduziert gestaltet sind, sodass sie Raum für Interpretation lassen.

ZEIT: Was macht ein gutes Spielzeug aus?

Schmidt-Ruhland: Ein tolles Beispiel ist "Sepp". Ein Therapiespielzeug, entworfen von einem Studenten. Sepp ist ein bunter Stoffsack mit einem Zipfel zum Aufhängen. Obwohl er einen Namen hat, besitzt er weder Augen, Nase oder Mund. Man kann ihn angeln oder werfen, um die Koordination von entwicklungsverzögerten Kindern zu verbessern. Die entscheiden dann selbst, ob Sepp ein Sack bleibt oder zum Freund wird.

ZEIT: Brauchen Kinder heute anderes Spielzeug?

Schmidt-Ruhland: Nein! Selbst das Schaukelpferd lässt sich neu interpretieren. Eine Studentin hat zum Beispiel einen Sitzwürfel entwickelt, auf dem man aber auch reiten kann, eine andere ein Schaukelpferd aus recycelbarer Pappe.

ZEIT: Spielen Sie selbst noch gern?

Schmidt-Ruhland: Ja! Natürlich ist es auch Arbeit, schließlich muss ich die Spiele meiner Studenten beurteilen. Aber es macht mir riesigen Spaß. Spielen verlernt man eben nie.

Das Gespräch führte Katrin Brinkmann

Karin Schmidt-Ruhland lehrt Spiel- und Lernmitteldesign an der Hochschule für Kunst und Design in Halle