DIE ZEIT: Sie alle haben gerade Abitur gemacht, engagieren sich aber schon seit Jahren politisch. Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Julia Behrens, Grüne Jugend: Ich habe mich darüber aufgeregt, dass alle immer nur gemeckert haben, aber keiner was gemacht hat. Dann bin ich vor der Bundestagswahl 2005 zur Grünen Jugend gegangen, weil ich dachte: Jetzt oder nie.

ZEIT: Warum zu den Grünen?

Behrens: Die Grünen kamen mir am basisdemokratischsten vor. Gefallen hat mir, dass man nicht im Anzug im Parlament sitzen muss. Ökologie ist mir wichtig, aber mein Hauptpunkt ist die soziale Gerechtigkeit. Da fühlte ich mich bei den Grünen gut aufgehoben.

Marie Schwarz, JuSos: Bei mir gibt es nicht dieses eine politische Ereignis, das mich geprägt hat. Ich finde, man trägt einfach eine Verantwortung in der Demokratie. Ich habe mir die Frage gestellt: Warum ist die Gesellschaft so, wie sie ist, und warum ist sie ungerecht? Auslöser war bei mir die Schule: Ich habe nicht verstanden, warum unser Bildungssystem sozial ungerecht ist und wie diese Ungerechtigkeiten entstehen. Deshalb bin ich zu den Jusos gegangen, weil ihr Schwerpunkt bei der sozialer Gerechtigkeit liegt.

Younes Ouaqasse, Schüler Union: Im Wahljahr 2005 war ich gerade in meinem letzten Jahr auf der Hauptschule. Mein Lehrer sagte, wir sollten uns doch einmal über die Parteien informieren. Das habe ich gemacht, Zeitung und Parteiprogramme gelesen. Danach kamen für mich nur zwei Parteien infrage: die CDU und die Liberalen. Die Junge Union war aktiver und hat mich mit ihren Ideen überzeugt, und darum bin ich mit 15 dort eingetreten und mit 16 in die CDU.

ZEIT: Warum kamen nur die Union oder die Liberalen infrage?

Ouaqasse: Die haben meiner Meinung nach seriöse Politik vertreten. Die Kanzlerkandidatin hat sich hingestellt und gesagt, wir werden die Mehrwertsteuer erhöhen, und hat das klar begründet. Ich habe festgestellt, dass Politik sehr viel Spaß macht. Man kann vieles mitgestalten. Es hat mich eben interessiert, mitzumischen.

ZEIT: Welche Rolle haben Ihre Eltern für Ihr politisches Engagement gespielt?

Schwarz: Ich bin in einem eher links orientierten Elternhaus aufgewachsen. Meine Mutter kommt aus der Frauenbewegung, mein Vater aus der Antiatomkraft- und Friedensbewegung. Beide haben immer Grün gewählt.

Niklas Drexler, Junge Liberale: Meine Eltern waren keine Parteimitglieder. Aber es hat mich schon geprägt, dass viel über Politik gesprochen wurde und meine Eltern immer wählen gegangen sind.

Ouaqasse: Politik war nie ein großes Thema bei uns zu Hause. Ich denke, beide Elternteile wählen wahrscheinlich CDU. Aber das hat nicht den Ausschlag für mein Engagement gegeben – das beruhte allein auf Eigeninitiative.