Wie finde ich das richtige Praktikum?

"Die Suche ist schon Teil des Praktikums", sagt Andreas Eimer vom Career Service der Universität Münster . Wer sich selbst darum kümmert, lernt bereits sehr viel. Denn vor der Bewerbung steht die persönliche Orientierung, sich zu überlegen, was man will und kann. Dann gilt es, den dazu passenden Arbeitgeber zu finden, der tatsächlich Einsatzmöglichkeiten für Praktikanten hat. Mit einer realistischen Einschätzung der eigenen Voraussetzungen vermeide man es, zum Kaffeemaschinenbediener zu werden, sagt Jürgen Albers vom Career Center der FH Hamm: "Oft ist es besser, nicht zu BMW oder zu Scholz & Friends zu gehen, sondern eine Hausnummer kleiner anzufangen." Unternehmen, die nicht jeder kennt, werden nicht mit Bewerbungen überflutet und geben Praktikanten oft mehr Verantwortung.

2Wie bewerbe ich mich?

Unternehmen, die infrage kommen, finden sich neben dem Internet auch über Berufs- und Fachverbände und in den Online-Firmenverzeichnissen der Industrie- und Handelskammern. Auch die Stellenanzeigen der Tageszeitungen liefern Hinweise, ebenso wie die Ausbildungsplatzbörse der Arbeitsagenturen. Dann sollte man sich bei ein paar Firmen gezielt bewerben, statt zwei Dutzend Blindbewerbungen zu verschicken. "Praktikumsstellen werden nicht ausgeschrieben, sondern oft nur deswegen vergeben, weil der Bewerber den Arbeitgeber überzeugt", sagt Eimer. Gerade als Abiturient hat man noch nicht so viele Möglichkeiten, sich von anderen abzuheben, daher: sauberes Papier, keine Tippfehler, keine Klappmappen oder Hefter, unterschreiben nicht vergessen und nicht rauchen beim Fertigstellen – das riecht der Personaler. Im Anschreiben sollten drei Fragen beantwortet werden: Wer bin ich? Was will ich in der Firma? Und warum will ich gerade zu dieser Firma? Auf der Homepage des Unternehmens finden sich in den Pressemitteilungen gute Hinweise für die Beantwortung.

3Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Praktikum?

Auch wenn ein Praktikum vor dem Studium nicht Pflicht ist, kann es direkt nach dem Abi durchaus hilfreich sein. Es dient dazu, sich zu orientieren und zu prüfen, ob die Fachrichtung hält, was man sich von ihr verspricht. Wer sich da sicher ist, für den ist ein Praktikum nach zwei, drei Semestern sinnvoller, weil er bereits Wissen aus dem Studium mitbringt und das Praktikum helfen kann, künftige Schwerpunkte festzulegen. Viele Bachelorstudiengänge sehen auch bereits Praktika oder Praxissemester fest vor.

Wie lange sollte es dauern?

Wer wirklich etwas lernen möchte, sollte wenigstens sechs Wochen hospitieren. Es dauert schon zwei, drei Wochen, bis der Neuling die Kollegen kennt und sich im Computersystem zurechtfindet. Erst dann kann der Arbeitgeber mehr mit seinem Praktikanten anfangen, als ihn nur zuschauen zu lassen. Länger als ein halbes Jahr darf ein Praktikum aber nicht dauern, sonst muss man sich und seinen Chef fragen, ob man nicht nur eine billige Arbeitskraft ist. "Ein Praktikum ist eine Mischform aus Lernen und Mitarbeiten – nach sechs Monaten kippt diese Balance zugunsten der Mitarbeit, das ist dann kein Praktikum mehr", sagt Andreas Eimer vom Career Service.

Wie viele Praktika sollten im Lebenslauf stehen?

Dass verschulte Bachelorstudiengänge zwischen Prüfungsvorbereitungen und Seminararbeiten nicht allzu viel Zeit lassen, muss kein Nachteil sein. "In den alten Studiengängen hat es teils eine Inflation gegeben", sagt Eimer, "da haben die Leute sechs, acht, zehn Praktika nach dem Trial-and-Error-Verfahren aneinandergereiht." Jetzt seien Vorbereitung und Reflexion der eigenen Erwartungen wichtiger. Dadurch erhöhe sich die Chance auf eine positive Praktikumserfahrung. Zudem kommt eine lange Reihe von Praktika auch bei potenziellen Arbeitgebern nicht so gut an – im schlimmsten Fall ziehen sie den Schluss, dass der Kandidat nirgendwo überzeugt hat. Ein Richtwert sind drei, vier Praktika, aber wichtig ist vor allem, dass sie einen roten Faden im Lebenslauf erkennen lassen.