Es war an einem Sommernachmittag vor drei Jahren, als bei Marc Endres zu Hause am Bodensee das Telefon klingelte. Der 15-Jährige war gerade von der Schule gekommen, gleich wollte er mit ein paar Freunden grillen gehen, trotzdem nahm er ab: "Guten Tag, Herr Endres", sagte eine Stimme. "Ich bin vom SC Freiburg, wir haben Sie schon länger beobachtet und sind sehr an Ihnen interessiert." Marc Endres nahm die Einladung zum Probetraining an, legte auf, freute sich – und fuhr mit den Freunden an den See. Davon erzählt hat er ihnen nichts.

"Ich bin keiner, der gleich alles rumerzählt, sagt er heute. Mittlerweile ist er 18, lebt bei einer Gastfamilie in Freiburg, geht auf das Wirtschaftsgymnasium und spielt bei den A-Junioren des SC Freiburg in der Bundesliga Süd. Seine Gegner dort heißen FC Bayern München, VfB Stuttgart oder 1899 Hoffenheim – und sein Traum, irgendwann einmal Profi zu werden, scheint zum Greifen nah. "Ich spiele in der höchsten Liga meiner Altersklasse", sagt Marc Endres. "Wer es dorthin geschafft hat, hat gute Chancen, später allein mit Fußball sein Geld zu verdienen."

Fußballer werden, das wollte Marc Endres schon immer. Bereits als Kleinkind rannte er über den Platz: in der Halbzeitpause, wenn sein Vater und die anderen Spieler, die beim TuS Immenstaad kickten, in der Kabine waren. Mit vier Jahren kam er zu den "Bambini", danach schoss er sich die südbadische Landkarte hoch. Erst nach Salem in die C-Jugend, anschließend nach Pfullendorf in die Juniorenliga der B-Jugend. Weil seine Eltern arbeiten mussten, fuhr ihn sein Großvater zum Training, jeden Tag, 40 Kilometer weit, hin und zurück. "Ich hatte von Anfang an den totalen Willen und war sehr diszipliniert", sagt er, "beides braucht man, um im Fußball erfolgreich zu sein.

Trotzdem wurde erst der Familienrat einberufen, als das endgültige Angebot des SC Freiburg kam. "Wir haben uns alle zusammengesetzt und das Pro und Contra besprochen", sagt Marc Endres. Contra: Er würde die Schule wechseln, von zu Hause fortgehen, Freunde und Eltern verlassen müssen. Pro: Die gute Jugendarbeit des Vereins, der seit acht Jahren mit einer Fußballschule in der Bundesliga Maßstäbe setzt, Gasteltern organisiert und Wert darauf legt, dass die Kicker auch ihren Schulabschluss machen. Und: Es war der SC Freiburg! Erste Liga! Das Pro siegte in der Verlängerung.