DIE ZEIT: Herr Rohrer, an Ihrer Schule können sich Abiturienten die mündliche Prüfung ersparen, indem sie, statt für das Abi zu büffeln, eine Fernsehsendung produzieren. Wie funktioniert das?

Joachim Rohrer: Wir haben im letzten Schuljahr den Seminarkurs LenderTV für Oberstufenschüler ins Leben gerufen. Solche Kurse ersetzen in Baden-Württemberg das mündliche Abitur, 23 Schülerinnen und Schüler nahmen teil. Sie produzierten weitgehend selbstständig fünf Fernsehsendungen während des Schuljahres, betreut von einigen Kollegen und einem Medienpädagogen.

ZEIT: Wie kamen Sie auf die Idee?

Rohrer: Es gibt bei uns unterschiedliche Seminarkurse in der Oberstufe. Dass wir nun einen Kurs "Fernsehen" anbieten, war reiner Zufall. Nachdem wir eine ganze Dokumentation über die Lender-Schule produziert haben, kam uns der Gedanke, dass auch Schüler so etwas umsetzen können. Die Schüler lernen – neben dem Know-how, das für die Realisierung einer Fernsehsendung nötig ist – auch selbstständiges Arbeiten, Zusammenarbeit in der Gruppe, Gewichtung und Abwägen von Themen sowie die Diskussion um Themen. Man kann das auch unter dem Schlagwort "Schlüsselqualifikationen erlernen" subsumieren.

ZEIT: Gab es Hürden zum Beispiel vonseiten der Schulbehörde?

Rohrer: Die Schulbehörde gibt nur den Rahmen "Seminarkurs" vor und eröffnet uns dadurch Spielraum für eigene Ideen. Dadurch ist es auch möglich, Experten von außen einzubinden, das ist sogar im Blick auf die Berufsorientierung ausdrücklich erwünscht. Von der Schulleitung gab es von Beginn an sehr große Unterstützung. Es ging uns auch darum, neben der Homepage und einem klassischen Printmedium ein weiteres von Schülern gestaltetes Mitteilungsorgan für die Schule zu schaffen.

ZEIT: Ein Beitrag handelte von einer Teenagerschwangerschaft in der Schule. Nicht gerade ein einfaches Thema.

Rohrer: Die Themen haben immer etwas mit der Schule zu tun. Sei es das Porträt eines ehemaligen Schülers, der heute ein bekannter Radiomoderator ist, die Arbeit der Theater-AG oder eben die Teenagerschwangerschaft einer Schülerin. Dieses Thema hat die Autorin interessiert, und sie hat bei diesem Beitrag auch die Rolle der Schule beleuchtet.

ZEIT: Wie lernen die Kursteilnehmer, einen Magazinbeitrag zu erstellen?

Rohrer: Am Beginn des Schuljahres haben wir in Wochenendseminaren die Schüler fit für die Grundtechniken gemacht. Wie recherchiert man? Wie arbeitet man mit der Kamera? Was muss man für den richtigen Ton beachten, wie setze ich Licht ein und so weiter. Ein Mitarbeiter vom SWR hat Sprechtraining gegeben. Den "Kameraführerschein" konnten die Schüler an einem Wochenende erwerben. Damit durften sie dann selbst filmen.