Rund zehn Millionen Bücher haben Mitarbeiter des Internetkonzerns Google bisher gescannt, eingelesen, in digitales Format gebracht. Überwiegend geschah das in den USA, und dabei vergingen die Jahre, fünf insgesamt. Aber der Streit darüber, ob Google Unrecht tat, ob der Konzern der Bücherwelt irreparablen Schaden zufügt, dauert fort.

Nun wollte ein New Yorker Richter am 7. Oktober eigentlich einen Schlussstrich ziehen und einen Vergleich genehmigen. Aber daraus wird (noch) nichts, weil unter anderem das US-Justizministerium einige Details verändert sehen will. So treffen sich die Parteien, also Google auf der einen, der Richter in der Mitte und die amerikanischen Autoren wie die Verlage auf der anderen Seite, um ein letztes Mal Feinarbeit zu leisten.

Alles dreht sich um die Frage: Welche Rolle wird Google in der Welt der Buchverlage spielen, wenn Bücher zunehmend auch in digitaler Form vertrieben und verkauft werden? Für die Buchbranche bricht eine neue, unbekannte Ära an. Keiner weiß, wie viel den Verlagen künftig von ihrem Geschäft bleibt und was Autoren von Sachbüchern und wissenschaftlichen Werken dann noch verdienen werden. Sie können schon heute kaum vom Bücherschreiben leben.

Die Angst geht um, dass die kargen Honorare und Vorschüsse noch weiter sinken, dass Bücherschreiben zu einer Beschäftigung für Leute mit viel Zeit wird – also mit anderweitigen Einkünften oder Vermögen. Zerstört Google so die Urform des bürgerlichen Diskurses mit Büchern und über Bücher, Aufsätze, Sammelbände, Festschriften, wissenschaftliche Reihen? Hemmt es die weitere Aufklärung? Enteignet der Konzern die Autoren?

So klang es in den Briefen und Stellungnahmen an, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, von Bundeskulturminister Bernd Neumann und der bisherigen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries stammten. In der sogenannten Heidelberger Erklärung forderten mehr als tausend Kulturschaffende grundsätzlich ihr Recht ein, auch im Internetzeitalter frei zu entscheiden, wo und wann sie ihre Werke veröffentlichen.

Je näher man dem umstrittenen Angebot von GoogleBooks dann aber tritt, umso mehr überwiegen in diesem Fall inzwischen die Chancen die möglichen Risiken und Googles unbestreitbare Grobheiten. Denn stimmt ein Verlag dem sich abzeichnenden US-Vergleich zu, bekommt er künftig 70 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf der Buch-Dateien. Ähnliches soll auch hierzulande kommen.

Verlage, die ihre Bücher von Google vermarkten lassen, machen außerdem oft die Erfahrung, dass auch die Umsätze mit gedruckten Büchern steigen. In Deutschland versuchen sich Hanser, DuMont und C. H. Beck daran. Letztlich bietet GoogleBooks auch Chancen für Autoren, deren Werke bereits vergriffen sind. Sie können auf zusätzliche Erlöse hoffen, da nach Angaben von Google das Interesse von Internetnutzern nach älteren Büchern beachtlich ist, wenn auch deutlich geringer als das nach aktuellen Titeln.