Mir träumte, ich sei alt, über achtzig. Ich war berühmt, hatte viel Geld und ein großes Haus. Und ich hatte sieben Freundinnen! Sie wohnten alle in meiner Villa, sahen alle gut aus, sie waren sexy. Wenn ich eine neue Freundin brauchte – klar, manchmal verließ mich eine , dann schickte ich die verbleibenden Freundinnen los, damit sie eine nette neue Kollegin suchten. Meine Kriterien kannten sie ja.

Ich habe jeder Freundin 4000 Euro im Monat bezahlt, bar, also netto, sie bekamen von mir ein Auto, dazu Kleider und Kosmetika, soviel sie wollten. Wenn sie glaubten, eine Schönheitsoperation nötig zu haben, Nase, Busen, Bauch, kein Problem, ich zahlte. Sie hatten alle ihr Zimmer und waren frei, sie konnten treffen, wen sie wollten, ich war nicht eifersüchtig. Sie sollten nur abends um 21 Uhr zu Hause sein, zumindest die meisten von ihnen, weil ich nicht gern im Haus alleine bin. Mein Butler brachte ihnen Essen und Getränke. In der Küche wollte ich die Freundinnen nicht haben, die Küche war meine Rückzugszone.

Meine Zimmer im Haus waren ziemlich heruntergekommen. Sie waren schmutzig, die Teppiche waren seit einer Ewigkeit nicht mehr gesaugt worden. Die Möbel waren billig und abgewetzt. Irgendwie mochte ich das. Ich war, glaube ich, recht schrullig und ein Gewohnheitstier, wie die meisten Männer. Im Haus trug ich immer Schlafanzug. Immer. Ich habe immer im Bett gegessen und immer die gleichen Filme auf DVD angeschaut, so 20, 30 Filme, meiner Ansicht nach die besten Filme der Geschichte. Montags ging ich immer für einen Drink in eine ganz bestimmte Bar, es war immer die gleiche, auch am Dienstag, und am Mittwoch, ich ging immer am gleichen Wochentag in die gleiche Bar. Nur donnerstags ging ich immer mit meinen sieben Freundinnen essen, das Restaurant durften natürlich sie aussuchen. Aber ich habe in den Restaurants immer das Gleiche gegessen, mein Lieblingsgericht, Lammkoteletts in grüner Senfsoße.

Manchmal bin ich mit den sieben Freundinnen zu einer Party gegangen, um anzugeben. Ich bin aber immer nur eine halbe Stunde geblieben, bis alle gesehen hatten, dass dieser alte, nicht sehr attraktive Typ mit sieben schönen Freundinnen aufgekreuzt ist. Dann ließ ich mich und die Freundinnen wieder nach Hause fahren, zog meinen Schlafanzug an und schaute mir im Bett, alleine, einen meiner Lieblingsfilme an.

Ich brauchte nicht übertrieben viel Sex, zweimal die Woche, immer mittwochs und freitags, immer nur mit einer der Freundinnen. Sie mussten natürlich nicht, wenn sie keine Lust hatten, aber es machte ihnen wenig Mühe, ich war alt, einigermaßen unterhaltsam und nicht sonderlich fordernd, meistens taten sie mir diesen kleinen Gefallen. Das war ein schönes Leben. Dann aber bekamen meine sieben Freundinnen fürchterlichen Streit miteinander, sie schrien sich wütend an, es gab Fraktionen, Intrigen, es war furchtbar, und ich habe überhaupt nicht kapiert, worum es ging. Die Freundinnen sagten, dass ich okay sei, aber mit den anderen, das gehe gar nicht. Sie zogen aus, sie fuhren in verschiedene Richtungen in ihren Autos davon. Ich stand am Fenster und winkte. In meinen Augen standen Tränen. Warum sind Frauen so?

Dies ist, ziemlich genau, die Geschichte, die Izabella St. James, eine der sieben Exfreundinnen von Hugh Hefner, dem Playboy- Gründer, in ihrem Buch Bunny Tales erzählt. Für den Abiturjahrgang 2010 schlage ich folgende Aufgabe vor: 1. Bewerten und diskutieren Sie das Lebensmodell von Hugh Hefner in moralischer Hinsicht. 2. Setzen Sie Hefners Lebensstil in Bezug zu dem Politiker Gregor Gysi und seiner Forderung "Reichtum für alle".

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