Das Hässliche wird, wie Entenfahrer, Zungenringträger und Nacktmullzüchter wissen, dann schön, wenn es in einer Gruppe von Menschen als Distinktionsmerkmal anerkannt ist. Klappfahrräder sind hässlich. Ausgeklappt wirken sie unproportioniert und verwachsen, eingeklappt wie ein Schrotthaufen. Doch eine Gruppe von Menschen – nennen wir sie: die urbanen Nomaden – hat das Klapprad als ultimativen Ausdruck individueller Mobilität, ja Freiheit auserkoren.

Diese Leute finden nicht nur, dass Klappräder ein Hingucker sind. Sie geben auch enorme Summen dafür aus, betreiben Homepages und lassen sich von Uneingeweihten verspotten. Klappradtester laufen Gefahr, von der Klappradhysterie angesteckt zu werden. Angesteckte Klappradtester erkennt man am Gebrauch des Euphemismus "Faltrad".

Mein erstes Faltrad im Test war ein Brompton. Sein Name war LD6, ebenso eigenwillig war sein Design mit einem charakteristischen Knick im Oberrohr, sehr kleinen 16-Zoll-Rädern (40,64 cm Durchmesser) und einer gewaltigen, verchromten Sattelstütze, maximal herausgezogen für den langen Tester. Ein bisschen snobbish und very British.

Ich verließ den Fahrradladen, brauste los und war glücklich. Ja: glücklich! Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man auf diesem komischen Gefährt dank der mit sechs Bar aufgepumpten Reifen und einer perfekten Sechsgangschaltung dahinzischt wie auf einem Rennrad. Das Rennradfeeling stellt sich übrigens auch auf Pflastersteinen ein: Da rüttelt es den Fahrer enorm durch. Bordsteinkanten sind ein Grund abzusteigen.

Für weitere Artikel der Serie klicken Sie auf das Bild

Am Bahnhof faltete ich das Ding mit wenig Mühe zu einem appetitlichen, 11,2 Kilo wiegenden Päckchen zusammen. Sensationelle und von der Konkurrenz kaum erreichte Packmaße: 27 mal 56 mal 57 Zentimeter. Im ICE fand ich nach einigem Suchen ein Plätzchen zwischen den Rücklehnen zweier Sitzreihen. Man lässt das edle Teil (knapp 1100 Euro) ungern aus den Augen.

Falträder sind im Trend, sagen die Hersteller. Selbst in Deutschland gibt es schon organisierte Brompton-Ausfahrten; in England fährt man Faltradrennen unter Berücksichtigung eines strikten Dresscode (Sakko, Hemd und Krawatte). Der urbane Nomade will offenbar nicht nur sein Büro in Gestalt von Laptop, Smartphone und mobilem Internet immer am Körper tragen, sondern auch jederzeit über persönliche Mobilität verfügen.

Wer von Termin zu Termin hastet, für den schließt das Faltrad die Lücke zwischen Zufußgehen und Bus und Bahn, Taxi oder PKW. Außerdem ist Faltradeln gesund und öko. Früher, als man noch Klapprad sagte, war das Ding für den Kofferraum, die Jacht oder das Wochenendhaus konzipiert. Heute reist es überall gratis mit und muss nicht einmal mehr verpackt werden.

Das Faltrad fügt sich ins öffentliche Verkehrssystem ein. Besonders im Leben eines Bahnpendlers wie ich es bin tun sich immer wieder Lücken auf, die das Faltrad schließt: zwischen Heim und Bahnhof und zwischen Zielbahnhof und Büro. Dort faltete ich es einfach wieder zusammen und stolzierte damit an den Kollegen vorbei in mein Zimmer, wo ich mein Rad eher als Skulptur betrachtete denn als Fahrrad.