Nun ist sie vorbei, die IAA in Frankfurt, die größte Autoschau der Welt. Was haben wir gelernt? Dass die mobile Zukunft vernünftig sein muss! All die Chefs der Autokonzerne sprachen viel und oft von zero emission und "Elektromobilität", und die Besucher bestaunten die grünen Supersparer der Zukunft.

Und dennoch: Genauso prominent und irgendwie aufregender waren die dort gezeigten Superschlitten. Der neue Bentley Mulsanne, ein Traum in Nussbaumholz und Leder mit mehr als 600 PS unter der Haube. Oder der flügeltürige Mercedes SLS, mit seinem Retrolook vielleicht das coolste Auto aller Zeiten. Denn Autofahren hat in seiner Essenz eben nicht nur mit Vernunft zu tun. Noch wollen die meisten Menschen, wenn sie sich anschnallen, genauso wenig an den Klimawandel denken wie an die Steuererklärung. Viel lieber wollen sie den Benzinproleten in sich freilassen. "Ich geb Gas, ich will Spaß", hieß es in einem Song der Achtziger. Und genau das ist auch das Motto von Top Gear – einer Autoshow des britischen TV-Senders BBC, die weltweit 350 Millionen Zuschauer vor die Glotze lockt.

Hier geht es nicht um Verbrauch oder Kofferraumvolumen. Bei Top Gear wird das Auto zum Vehikel für brillante Fernsehunterhaltung. Hier werden nur Autos getestet, die mindestens 300 PS haben und mehr als 60.000 Euro kosten – klimafeindliche Spritschlucker also. Die Showmaster sind drei Rüpel mittleren Alters: Jeremy Clarkson, James May und Richard Hammond. Gespielt halbgebildet und selbstsicher in ihren Vorurteilen, bieten sie das Antidot zum politisch korrekten Fernsehen. Bei Top Gear sind Amerikaner einfach zu dick und zu stillos, um anständige Autos zu bauen.

Die Deutschen bauen gute Autos, zugegeben, aber dafür haben sie zwei Weltkriege verloren und die Fußball-WM 1966 dazu. Es ist der undifferenzierte, faule Blick auf die Welt, das krasse Stammtischgetöse, an dem sich Millionen von Fernsehzuschauern erfreuen. Wenn Clarkson und Hammond dann im Audi R8 (420 PS, 301 km/h Spitzengeschwindigkeit) und im Porsche Carrera 2S (385 PS, 300 km/h Spitze) auf Top Gears hauseigener Rennstrecke gegeneinander antreten, die Reifen kreischen und die Bremsen qualmen, dann kommt das TV-Publikum dem Spaß am Speed näher als bei jeder Formel-1-Übertragung.

Perfekt ist der Sonntagabend, wenn Clarkson sich mit kindlichem Übermut in einen Range Rover setzt und dessen Geländegängigkeit gegen einen Challenger Kampfpanzer beweisen muss und, natürlich, verliert. Oder wenn er im Nissan GT-R (485 PS, 310 km/h Spitze) gegen den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen in Japan um die Wette fährt.

Fragt sich, warum Top Gear auf der ganzen Welt zu sehen ist, nur nicht in Deutschland? Die Wahrheit ist wohl, dass das deutsche Publikum eher unterkühlt reagieren würde, wenn Clarkson auf RTL beim Autotest von Hitlers Messerschmitt- und Churchills Spitfire-Kampfflugzeugen schwadronieren würde. Die deutschen Autobauer dagegen stört der englische Humor wenig.