Sie wissen selbst, dass ihre Anwesenheit etwas Außerirdisches hat, hier in Hamburg am Montag vor der Wahl. Sie schreiten die Straße im Gleichschritt herab, über ihnen der Plastikplanet vom Saturn-Geschäft. Zwei Männer wie aus dem Film Men in Black, schwarze Anzüge, schwarze Sonnenbrillen, einer groß, einer klein. Sie sind die Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und eingeflogen, um zu prüfen, ob die Bundestagswahl frei und fair abläuft.

Samad Mukhamedov ist der Kleine und der Boss, er ist 26 Jahre jung und hat schon acht Wahlen auf dem Buckel. Bisherige Einsatzgebiete: Kirgistan, Montenegro, Aserbajdschan. Deutschland sei im Prinzip das Gleiche, sagt er: "Wählen ist doch überall gleich." Mukhamedov ist ein usbekischer Vertragsarbeiter im Auftrag der internationalen Demokratie; Jurist, nicht Idealist. Der Große heißt Aleksandar Novakoski und sieht aus, wie sich Deutsche einen KGB-Spion vorstellen: stämmige Figur, Bürstenhaarschnitt, tief-rauchige Stimme. Normalerweise ist er der Bundeswahlleiter der Republik Mazedonien. Sie haben eine deutsche Assistentin dabei, Kerstin Dokter, Pferdeschwanz, Faltenrock und Ledertasche. Für die Experten ist die Bundestagswahl ein Job wie jeder andere. Wenn die Deutschen nur nicht so uninformiert wären.

Für sie, sagt Mukhamedov, sei die OSZE wie ein Raumschiff: "Man weiß, dass es irgendwo herumfliegt, aber man kennt es nicht wirklich." Mitte September ist das Raumschiff in Berlin gelandet und hat 15 Wahlexperten aus vornehmlich osteuropäischen Ländern in die Bundestagswahl gebeamt. Seitdem touren vier OSZE-Teams durch die Republik, um Partei-, Wahl- und Medienvertreter zu besuchen, der Bericht folgt in zwei Monaten.