"What are you doing now?" ist die klassische Twitter-Frage, die mit 140 Zeichen beantwortet werden muss. Die Frage hat sich Twitter (San Francisco) nun selber gestellt und die Antwort noch knapper formuliert. "Ich besorge mir gerade 100 Millionen Dollar, und zwar aufgrund einer Marktbewertung von einer Milliarde." Das sind 87 Zeichen.

Die guten alten Zeiten im Silicon Valley, sie sind wieder da, als Investoren Millionen in Unternehmen versenkten, die wie Twitter kein "sichtbares Einkommen" hatten, wie ein vornehmer Kommentar es ausdrückt. Andererseits: Twitter ist trotzdem ein Schnäppchen. Unterstellt man eine Bewertung von einer Milliarde Dollar, dann kostet jeder User nur magere 25 Dollar. Im Vergleich dazu: Als Microsoft 2007 einen Anteil an Facebook kaufte, war jeder Nutzer 250 Dollar wert. Inzwischen liege der Preis bei etwa 35 Dollar, rechnet Ray Valdes, Analyst bei Gartner, vor.

Überdies winkt Mitbegründer Biz Stone mit einer richtigen Einnahmequelle: "Wir lassen die Tür offen für Werbung." Aber erst im nächsten Jahr. Warum der Mann keine Eile hat, zeigen die Statistiken. Vor Jahresfrist im August hatte Twitter an die fünf Millionen "Besucher"; in diesem August waren es über fünfzig Millionen, wovon übrigens dreißig im Ausland leben. Der Firmenname ist zum Verb geworden. Obama twittert, Sarah Palin, die Vize-Kandidatin der Republikaner, twittert. Und die Revolutionäre in Iran haben sich per Twitter organisiert. Inzwischen gibt es an die 250 Twitter-"Apps" für Handys und Computer.

Kein Wunder, dass schon die ganz großen Haie um Twitter kreisen, wiewohl in friedlicher Absicht. Google und Microsoft, erzählen Experten, hätten Twitter angeboten, beim Verkauf von Werbung zu helfen. All das erinnert an die goldglänzenden Neunziger, als die Wagniskapitalisten die Millionen hinstreckten und erst dann fragten, wie es denn um den Umsatz stünde. Der Analyst Jeremiah Owyang notiert dazu: "Der Medienhype, der Twitter umgibt, ist so groß, dass es nicht schwer gewesen sein sollte, Mainstream-Investoren zu finden."

Charlene Li von der Altimeter Group in San Mateo (mitten im Silicon Valley) ist dagegen skeptisch, was die Zukunft betrifft: "Twitter ist interessant als Plattform, aber nicht einfach zu monetarisieren" – es werde also schwer, damit Geld zu verdienen.

Twitter selbst arbeitet mit am Hype. Das Unternehmen peilt ganz bescheiden eine Milliarde Nutzer an und will so zum "Puls des Planeten" werden. So stand es in einem Blog namens TechCrunch, nachdem, laut New York Times, ein Hacker interne Dokumente "eingesehen" hatte.

Ist das das Remake der Dotcom-Blase? Facebook hatte mit ähnlichen Fragen zu kämpfen. Fünf Jahre nach seiner Gründung hat das Unternehmen 300 Millionen Nutzer und knapp 700 Millionen Dollar eingesammelt. Die Schätzungen des Marktwertes reichen bis zu zehn Milliarden Dollar, aber es hat erst dieses Jahr einen "positiven Cashflow" gemeldet.

Fünf Jahre sind keine Ewigkeit. Trotzdem soll Jon Fisher von der Universität San Francisco das (vorläufig) letzte Wort haben: "Es ist wirklich erstaunlich, wie solche Unternehmer so viel Geld abschleppen können. Das erinnert doch sehr an die Dotcom-Episode, und wir wissen, wie die ausgegangen ist."